Wichtige und wertvolle Dateien speichert niemand nur im Web ab
Speichern bald nur noch im Internet?

Nicht nur dass Chipproduzent Intel empfiehlt, Diskettenlaufwerke zukünftig gänzlich abzuschaffen - wie bei Apple schon umgesetzt. Vielmehr sollen sogar ganze Festplatten demnächst dank des Riesenspeicherplatzes Internet völlig überflüssig werden, oder höchstens noch als Zwischenspeicher dienen. Ob das die Lösung ist?

DÜSSELDORF. Trotz des Endes von Diskettenlaufwerk und Festplatte in ihrer ursprünglichen Funktion "brauchen sich die Hersteller von Speichermedien keine Sorgen zu machen". Laut Nikkei Electronics Asia setzen Zukunftsvisionen darauf, dass die Nutzer alle Daten, also auch den gesamten Bestand an Audio- und Video-Daten, im Netz unterbringen, um dann überall und schnell auf sie zugreifen zu können - und sich gleichzeitig unter der Obhut eines Speicherspezialisten zu wissen, der für ihre Sicherheit sorgt.

Na ist doch toll, das Internet wird es schon richten! Schön, dass sich die "Hersteller von Speichermedien keine Sorgen machen brauchen", und was ist mit dem Nutzer? Eingedenk der Gefahren durch Viren und Hackerattacken ist es wenig verlockend, seine Daten im Internet - einem öffentlichen Raum - abzulegen. Auch wenn der Zugriff nur über Passworte möglich sein wird, Schlupflöcher wird es immer geben.

Für die meisten Anwender dürfte diese "Vision" ohnehin utopisch anmuten. Der durchschnittliche Computernutzer verfügt oftmals gar nicht über die entsprechende technische Ausstattung. Online-Speicher mögen schon heute günstig sein, doch die zum Teil noch hohen Verbindungskosten und zu niedrigen-geschwindigkeiten sind der Idee nicht gerade zuträglich.

Architektur- oder Grafikbüros können darüber wahrscheinlich auch nur müde lächeln: Das Datenvolumen eines Details, Grundrisses oder einer komplexen Broschüre ist so umfangreich, dass ein Abspeichern im Internet zumindest momentan viel zu lange dauern würde. Außerdem sind sich die Kreativen einig: Ohne eine vernünftige Sicherungskopie auf Zip oder zumindest CD läuft eh nichts. Vielmehr wäre dieses Procedere völlig verantwortungslos, und es könnte verheerende Folgen haben, die aufwendigen Entwürfe lediglich im Netz abzuspeichern. Schließlich könnten sie verloren gehen, zerstört oder gehackt werden.

Und irgendwie drängt sich die Vorstellung auf, mit Kanonen auf Spatzen zu schießen: Was macht ein Nutzer z.B. - momentan zumindest, der einen Brief an eine Behörde schicken will, dessen Drucker und E-Mail-Zugang aber zufällig nicht funktionieren? Text auf Diskette ziehen und bei einem Bekannten oder bei der Arbeit ausdrucken - das ist durchaus noch gängig, insbesondere bei Nutzern, die sich nicht zu den "First-Usern" zählen -, aber bald nicht mehr möglich?

Erwähnt sei außerdem, dass mit dem Einstampfen eines nicht gerade unbedeutenden Geschäftszweiges wie der Produktionen von Disketten- und Zip-Laufwerken und den entsprechenden Datenträgern unweigerlich Arbeitsplätze auf der Strecke bleiben werden. Vielleicht sollte man das Kind nicht gleich mit dem Bade ausschütten und den Nutzern zumindest die Wahl lassen, wie und wo sie ihre (Klein-)Dateien zukünftig abspeichern wollen.

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