Wichtiger Baustein im Hartz-Konzept
Leiharbeiterlohn unter Tarif möglich

Leiharbeiter sollen künftig bis zu einem Jahr und damit doch wieder deutlich länger als zuletzt vorgesehen unter Tarif bezahlt werden dürfen.

Reuters BERLIN. Leiharbeiter in den geplanten Personal-Service-Agenturen der Arbeitsämter könnten künftig über die geplante sechswöchige Einarbeitungszeit hinaus bis zu einem Jahr unter dem orts- und branchenüblichen Tarif bezahlt werden können, sagte SPD-Fraktionschef Franz Müntefering am Dienstag in Berlin. Dies habe Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) mit den Beteiligten verabredet. Clement sagte, für schwer vermittelbare Arbeitslose seien Abschläge vom Tariflohn von "zehn Prozent und mehr" möglich.

Wirtschaftsexperten und Unternehmen hatten zuletzt kritisiert, dass mit der zuletzt vorgesehenen Befristung auf nur sechs Wochen ein zentraler Anreiz der ursprünglichen Überlegungen für die Einstellung von Leiharbeitern auch über die Personal Service Agenturen der Arbeitsämter verloren gehe. Das Thema ist ein wichtiger Baustein im Hartz-Konzept zur Reform des Arbeitsmarktes, mit der SPD und Grüne die Zahl der Arbeitslosen in den kommenden Jahren deutlich senken will.

In künftigen Tarifverträgen für die Verleihbranche müsse geregelt werden, wie lange über die sechs Wochen hinaus unter Tarif bezahlt werden könne, sagte Müntefering. Auf die Frage, ob dies auch bis zu einem Jahr sein könne, sagte Müntefering: "Wenn das im Verleihvertrag so vereinbart wäre, ja." 2003 sollten dann Gewerkschaften und Verleihfirmen Tarifverträge aushandeln, die ab dem 1. Januar 2004 gelten sollten.

Den bisherigen Plänen zufolge hatte Clement für Leiharbeiter und Stamm-Belegschaften das Prinzip "gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit" vorgesehen. Dabei sollte es lediglich die Ausnahmen geben, dass eine Zeitarbeitsfirma dem Beschäftigten für die ersten sechs Wochen ein Entgelt nur in Höhe seines Arbeitslosengeldes zahlt und das Gewerkschaften mit Zeitarbeitsfirmen Tarifverträge abschließen, die etwa für Langzeitarbeitslose Lohnabschläge vorsehen könnten.

Eine DGB-Sprecherin bestätigte die Aussagen von Müntefering über eine Einigung in dem Punkt und sagte, sollte es bis 2004 keinen Tarifvertrag zwischen dem Verleiher und dem Entleiher geben, gelte der Gleichbehandlungsgrundsatz. Sollte es Tarifverträge mit dem ausleihenden und dem entleihenden Betrieb geben, gelte für die Arbeitnehmer der jeweils günstigere.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%