Wichtiger Schritt
Unabhängige Musikfirmen kooperieren mit Napster

Rund 150 unabhängige Musikunternehmen aus ganz Europa wollen ihre Titel künftig über Napster anbieten, sobald die bisher kostenlose Online-Tauschbörse in einen kostenpflichtigen Abo-Service ungewandelt worden ist.

Reuters LONDON/HAMBURG. Wie Napster am Dienstag in London mitteilte, bekommt der Musikservice durch eine entsprechende Vereinbarung mit den Branchenverbänden der "Independents" Zugriff auf Hunderttausende Titel von Künstlern wie Tom Jones, Depeche Mode und Moby. "Napster steht vor einer neuen Phase und diese Vereinbarung ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung", sagte Napster-Gründer Shawn Fanning.

Die Verhandlungen mit den Branchenverbänden Associaton of Independent Music (AIM) und Independent Music Companies Association (Impala) seien nach vier Monaten erfolgreich abgeschlossen worden, teilte Napster weiter mit. Von diesen Verbänden würden Tausende Künstler in ganz Europa vertreten.

Strategische Allianz

Die großen Musikkonzerne EMI, Bertelsmann Music Group (BMG) und die zu AOL Time Warner gehörende Warner Music hatten kürzlich bereits angekündigt, ihre Lizenzen über den gemeinsamen Online-Vermarkter Music Net an Napster weiterzugeben. Zudem hatte der unabhängige Musikverlag Edel aus Deutschland schon Anfang des Jahres eine ähnliche Vereinbarung mit Napster getroffen. Das am Neuen Markt notierte Unternehmen war damals dem Medienkonzern Bertelsmann gefolgt, der im Herbst aus der Reihe der gegen Napster klagenden Musikunternehmen ausgeschert und eine strategische Allianz mit Napster eingegangen war.

Die Bertelsmann E Group-Commerce (BeCG) unterstützt Napster mit einem Kredit bei der Umwandlung in einen kostenpflichtigen Abo-Service, der noch im Sommer gestartet werden soll. "Wir freuen uns sehr über die heutige Entscheidung der AIM, ihren Musikkatalog der weltweiten Napster-Community zur Verfügung zu stellen", sagte BeCG-Chef Andreas Schmidt. "Wir sind froh, dass AIM die Bedeutung der strategischen Allianz mit Napster erkennt und unsere gemeinsame Vision für die Zukunft der Musikdistribution teilt."

Zukunftsweisender Vertriebsweg

Napster hat zwei Jahre nach ihrem Start mehr als 70 Mill. registrierte Nutzer, die täglich Hunderttausende komprimierte Musikdateien tauschen. Bertelsmann sieht im Dateientausch einen zukunftsweisenden Vertriebsweg für digitalisierte Medienprodukte.

Die Napster-Nutzung hatte Erhebungen zufolge in den vergangenen Monaten deutlich nachgelassen, seit Napster urheberrechtlich geschützte Lieder aus seinem Angebot herausfiltert. Damit kommt die kalifornische Start-Up-Firma einer gerichtlichen Anordnung nach und versucht, einer Schließung zu entgehen.

Klage wegen Musikpiraterie

Erst am Montag hatte ein US-Berufungsgericht den Antrag von Napster auf eine erneute Anhörung in dem Rechtsstreit mit den großen Musikunternehmen abgelehnt. Neben Sony und Vivendi Universal haben auch die jetzt mit Napster kooperierenden Konzerne AOL Time Warner, EMI und BMG die Tauschbörse wegen Musikpiraterie verklagt.

Napster zufolge haben sich bereits eine Million Interessenten für eine Test-Version des neuen Napster-Angebots gemeldet. Ein genauer Start-Termin für den Abo-Service steht der BeCG zufolge noch nicht fest.

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