Wichtiges Signal für bevorstehenden Aufschwung in Deutschland
Ifo-Geschäftsklima hat sich imposant verbessert

Das Ende der konjunkturellen Talfahrt in Deutschland naht. Noch beruht die Stimmungsverbesserung in der Wirtschaft allerdings nur auf wachsendem Optimismus für die Geschäfte in den nächsten sechs Monaten. Analysten hoffen jedoch, dass die Unternehmen auch ihre aktuelle Lage bald besser beurteilen.

ari DÜSSELDORF. Einen solch starken Anstieg des Ifo-Geschäftsklimas hatte kein Volkswirt der Banken vorausgesehen. Auch das Münchener Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung, das für das Klima monatlich mehr als 7 000 Unternehmen aus Industrie, Bau und Handel befragt, wurde von dem Ergebnis für Februar überrascht. In Westdeutschland kletterte der auf 1991 bezogene Index von 86,2 auf 88,7 Punkte. Analysten hatten einen Anstieg auf rund 87 Punkte erwartet. Der Saldo der positiven und negativen Stimmenanteile, aus dem der Index berechnet wird, erhöhte sich gar von-23,4 auf-19 Prozentpunkte.

Auch in Ostdeutschland hellte sich das Ifo-Klima erneut auf. Nach einer Umfrage des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) dämpft der Konjunktureinbruch im vergangenen Jahr aber die Umsatzerwartungen der ostdeutschen Industrie für 2002. Per saldo sind sie jedoch positiv, zudem ist ein geringer Stellenzuwachs möglich.

Der Ifo-Index zeigt seit November aufwärts und ist nur noch 0,6 Indexpunkte bzw. zwei Saldopunkte niedriger als im August 2001 kurz vor den Terroranschlägen in den USA. Allerdings haben sich wie in den vergangenen Monaten wiederum nur die Unternehmenserwartungen verbessert - sie erreichten sogar ihren besten Wert seit Dezember 2000. Der Anteil der Optimisten ist nur noch 3,1 Prozentpunkte kleiner als der Anteil der Pessimisten (Grafik). Die aktuelle Lage wurde im Februar dagegen erneut schlechter beurteilt. Vom Niveau vor den Terroranschlägen hat sich die realwirtschaftliche Bewertung der Unternehmen nochmals entfernt.

Gleichwohl kann man nach den langjährigen Erfahrungen des Münchener Ifo-Instituts von einem Signal für einen bevorstehenden Aufschwung sprechen. Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn erläuterte gestern warum: Die stark gegenläufige Entwicklung der Urteile zu Lage und Erwartungen sei "typisch für eine Spätphase im Abschwung und einen nahenden unteren konjunkturellen Wendepunkt", wenn man ihm am Auslastungsgrad der Kapazitäten misst. Ähnlich sah es 1993 und 1999 aus.

Die Konjunkturexperten sind sich allerdings nicht einig, wann die deutsche Wirtschaft wieder in die Wachstumszone kommt. Udo Ludwig, Konjunkturexperte des IWH, sieht Deutschland erst im zweiten Quartal aus der Talsohle herauskommen. Richtig anziehen werde die Belebung im zweiten Halbjahr, sagte er vwd. Optimistischer sind der Wirtschaftsweise Wolfgang Wiegard und Lothar Hessler von HSBC Trinkaus & Burkhardt: Sie erwarten bereits ab dem ersten Quartal zum Vorquartal wieder ein Plus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP).

Ralph Solveen von der Commerzbank rechnet wegen der schlechten Lageurteile in den ersten drei Monaten dagegen nur mit einem stagnierenden BIP. Es werde aber im zweiten Vierteljahr wachsen. Jörg Krämer von Invesco sieht Deutschland und die Euro-Zone sogar erst ab Jahresmitte auf Wachstumskurs. Die Volkswirte von Morgan Stanley gehen wegen der neuen Ifo-Daten nun schon von einem Wachstum im laufenden Vierteljahr aus - bisher hatten sie es als schwach eingestuft. Andreas Scheuerle von der DGZ-Deka Bank - bleibt dagegen dabei, dass die Konjunktur erst im weiteren Jahresverlauf in Fahrt kommt. Er und die anderen Analysten werden ab März verstärkt auf die Lageurteile im Ifo- Geschäftsklima achten. Erst wenn sie besser werden, finden die günstigeren Erwartungen auch in der Realwirtschaft Eingang.

Der Aufschwung wird dabei, meint Ludwig vom IWH, "exportgetrieben" sein. In der Tat haben sich nach Ifo vor allem die Exportaussichten der Industrie verbessert. Ludwig sieht einen Zusammenhang "mit den guten Nachrichten über die Belebung in den USA". Die Bewertungen von Bau und Einzelhandel ließen dagegen keine Impulse aus dem Inland erwarten. Laut Ifo hat sich das Geschäftsklima im Westen besonders stark in der Industrie und im Großhandel gebessert. Im Bau war es unverändert, im Einzelhandel wurde es schlechter.

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