Wichtigster Gewinnmotor ist der Terminhandel an der Eurex
Dax-Aufstieg der Börse in der Kritik

Die Deutsche Börse ist in das wichtigste deutsche Börsenbarometer aufgestiegen. Die Betreiberin der Frankfurter Wertpapierbörse verdrängt am 23. Dezember im Deutschen Aktienindex Dax den Münchner Bauelementehersteller Epcos.

HB/dpa FRANKFURT/MAIN. Diese Entscheidung traf der Arbeitskreis Aktienindizes am Dienstagabend in Frankfurt. Die Börse ist die erste Handelsplatzbetreiberin, die selbst in einen wichtigen Index aufgenommen wird.

Allerdings gab es am Finanzplatz auch kritische Stimmen. "Die Börse profitiert nun als erste von ihren neu geschaffenen Regeln für den Dax", betonte der Fondsmanager von Union Investment, Carsten Hilck. Danach kann der Index künftig auch vierteljährlich statt einmal im Jahr überprüft werden. Das Unternehmen habe sich quasi selbst in das prestigeträchtige Börsenbarometer gehievt. Das ändere aber nichts an der Qualität der Aktie.

"Es gibt klare Regeln, und wenn diese nicht angewandt werden, dann hat das einen faden Beigeschmack", entgegnete Deutsche Börse-Vorstand Christoph Lammersdorf. Um Interessenkonflikten vorzubeugen, hatte die Börse außerdem diesmal die Dax-Entscheidung allein dem Arbeitskreis Aktienindizes überlassen. Üblicherweise berät dieses Gremium den Börsenvorstand nur. Im Arbeitskreis sitzen Vertreter von zehn Banken und der Börse.

Eine große Überraschung war der Wechsel in der Börsenelite nicht. Wegen starker Kursverluste erfüllte Epcos seit über einem Jahr nicht mehr alle Kriterien für die 1. Liga. Für die Spitzengruppe der 30 wichtigsten deutschen Aktiengesellschaften qualifizieren sich Unternehmen durch den Umsatz ihrer Aktie und den Börsenwert (Aktienzahl mal Kurswert). Bei beiden Kriterien müssen Dax-Kandidaten zu den 35 Besten zählen.

Im Oktober erreichte das Unternehmen in puncto Börsenwert nur noch den 52. Rang. "Ich kann mich an keinen Fall erinnern, bei dem ein Unternehmen die Kriterien so lange und so deutlich nicht erfüllt hat", sagte ein Index-Experte. Epcos zeigte sich enttäuscht über den Rauswurf. "Wir bedauern dies natürlich vor allem für unsere Aktionäre", sagte ein Unternehmenssprecher in München.

Die Deutsche Börse feierte den Aufstieg dagegen als "Lohn einer Erfolgsgeschichte". Dies zeige, dass man von einer Provinzbörse zu einem Weltunternehmen aufsteigen könne, betonte Vorstand Volker Potthoff. "Wenn man diese Erfolgsgeschichte vor sieben Jahren erzählt hätte, wäre man ausgelacht worden." Beim Umsatz lag die Börse auf Position 34, beim Börsenwert auf dem 19. Rang.

Wechsel in Deutschlands wichtigstem Index bewegen Milliarden- Beträge, da viele Fonds und Indexzertifikate sich in ihrer Anlagepolitik am deutschen Leitindex orientieren. Nach Schätzungen einer US-Investmentbank hängen am Dax rund 27 Milliarden Euro. "Wer in den Dax aufgenommen wird, genießt ein deutlich größeres Interesse der Investoren, für Absteiger gilt dagegen das Motto 'Aus den Augen, aus dem Sinn'", erläutert Fondsmanager Hilck.

Mit dem Dax-Aufstieg krönt die Deutsche Börse ein Jahr, das ungeachtet der Krise am Aktienmarkt auch geschäftlich erfolgreich verlief. Das wichtigste Standbein ist derzeit nicht der Aktienhandel - die Gewinne an der elektronischen Handelsplattform Xetra schrumpfen rapide. Wichtigster Gewinnmotor ist der Terminhandel an der Eurex. Dort spekulieren Investoren unter anderem auf Kursentwicklung oder sichern Wertpapiergeschäfte ab. Größter Umsatzbringer ist Clearstream. Der Luxemburger Wertpapierabwickler sorgt unter anderem dafür, dass Aktien bei An- und Verkäufen richtig verbucht werden.

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