Wichtigster Leitzins nun bei 5 Prozent
Fed senkt Zinsen um 50 Basispunkte

Alan Greenspan handelt. Mit der dritten Zinssenkung in diesem Jahr stemmt sich die US-Notenbank gegen die drohende Rezession. Starke Verluste an der Wall Street Analyse: Die EZB nach der Fed-Entscheidung Weitere Zinssenkungen erwartet

Reuters WASHINGTON. Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat am Dienstag die Leitzinsen angesichts der schwachen US-Konjunktur erneut gesenkt und ihre Bereitschaft für weitere Zinssenkungen angedeutet.

Der entscheidende Zielsatz für Tagesgeld werde um 50 Basispunkte auf 5,00 Prozent gesenkt, teilte die Fed im Anschluss an die Sitzung des für die Geldpolitik verantwortlichen Offenmarktausschusses (FOMC) in Washington mit. Es bestünden erhebliche Risiken, dass die Nachfrage und die Produktion für einige Zeit schwach blieben, begründete Fed ihren Schritt.

Analysten halten weitere Zinssenkungen für möglich

Analysten sehen darin ein Signal, dass die Fed, wenn nötig, die Zinsen weiter zurück nehmen wird. Bis zuletzt waren sich die Experten uneins, ob die Notenbank die Zinsen um 50 oder 75 Basispunkte nach unten schleusen würde. Die US-Aktienmärkte reagierten mit Kursverlusten, der Euro legte zu.

"Der anhaltende Druck auf die Gewinnspannen der Unternehmen dämpft die Investitionsausgaben und - durch die Verluste an Aktienvermögen - auch die Konsumnachfrage", heißt es in der Erklärung der Fed. Die weitere Entwicklung müsse genau beobachtet werden. Gleichzeitig verwiesen die US-Notenbanker jedoch auch darauf, dass sich die Lagerbestände der Firmen nun dieser Entwicklung entsprechend anglichen. Den eher symbolischen Diskontsatz senkte die Fed ebenfalls um einen halben Prozentpunkt auf 4,50 Prozent.

"Fed bewies Augenmaß"

Die meisten Analysten lobten die Fed für ihren Schritt und sagten, die Notenbank habe Augenmaß bewiesen. "Die Fed hat in Anbetracht der Umstände ihr Bestes getan. 50 Basispunkte waren alles, was gerechtfertigt war. Das gibt der Fed Zeit abzuwarten, ob sich die Wirtschaft wieder dreht", sagte Stephen Stanley, Volkswirt von Greenwich Capital Markets. Mit der Erklärung im Anschluss an den Zinsentscheid habe die Notenbank zudem diejenigen beschwichtigen wollen, die einen aggressiveren Zinsschritt erwartet hatten.

"Die Fed hat in ihrer Erklärung klar gemacht, dass sie in erster Linie wegen der Fundamentaldaten besorgt ist und nicht notwendigerweise wegen der Aktien", sagte Carl Tannenbaum, Chefvolkswirt der Lasalle Bank in Chicago. Die Notenbank habe sich damit für eine stetige Geldpolitik entschieden, statt sich von den Markterwartungen zu sehr unter Druck setzen zu lassen.

Nach Einschätzung einiger Volkswirte werden die US-Notenbanker jedoch mit einer weiteren Zinssenkung möglicherweise nicht bis zum nächsten regulären Zins-Treffen warten: "Die Fed hat die Tür offen gelassen für eine weitere Senkung vor dem nächsten regulären FOMC-Treffen. Bis zum 15. Mai ist es noch eine lange Zeit", sagte Anthony Chan von der Banc One Investment Advisors.

Dritte Zinssenkung in diesem Jahr

Im Gegensatz zu früheren Fed-Entscheidungen, waren Investoren und Analysten uneins, wie stark die Fed ihre geldpolitischen Zügel lockern werde. Enerseits wurde argumentiert, ein aggressiver Zinsschritt von 75 Basispunkten sei durch die niedrigen US-Preisrisiken und die schwachen Aktienmärkte gerechtfertigt. Andere Experten sagten, ein so deutlicher Schritt könne der Fed als Panik ausgelegt werden.

Im Januar hatte die Notenbank den Leitzins bereits zwei Mal um jeweils 0,50 Prozentpunkte gesenkt, nachdem sich das US-Wirtschaftswachstum zum Jahresende 2000 drastisch verlangsamt hatte und die Aktienmärkte abzustürzen drohten. Zwar sehen viele Experten die US-Konjunktur bereits im zweiten Halbjahr wieder auf Erholungskurs. Doch geben die deutlichen Kursverluste an den US-Aktienbörsen weiter Anlass zur Sorge. Seit der letzten Zinssenkung Ende Januar ist der richtungweisende Dow Jones-Aktienindex um mehr als neun Prozent abgerutscht. An der US-Technologiebörse brach der Nasdaq-Index sogar um 30 Prozent ein.

An den US-Börsen machte sich am Dienstag nach der Zinsentscheidung Enttäuschung breit, da offenbar einige Investoren doch auf einen aggressivere Senkung gehofft hatten. Der Dow-Jones-Index fiel nach anfänglichem Zick-Zack-Kurs zuletzt rund zwei Prozent unter Vortagesschluss auf 9764 Punkte. Der Hauptindex der US-Technologiebörse Nasdaq sackte um gut vier Prozent ab, nachdem er vor dem Zinsentscheid noch leicht im Plus gelegen hatte. Die US-Staatseinleihen legten im kurzen wie im langen Laufzeitbereich einige Ticks zu. Der Euro gewann nach kurzzeitigen Kursverlusten knapp einen halben Cent auf 0,9081/85 Dollar.

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