Wichtigstes Sport-Ereignis des Jahres
Bei WM geht es für Sportartikelindustrie um viel

Wenn am Freitag die Fußball-WM in Japan und Südkorea angepfiffen wird, zittern nicht nur Millionen Zuschauer mit ihrer Mannschaft am Fernseher. Auch für die Sportartikelindustrie geht es um viel: Das vierwöchige Turnier ist für die Branche das wichtigste Ereignis des Jahres.

Reuters MÜNCHEN. "Die WM ist der ideale Ort, um Werbung für die eigene Marke zu machen", sagt Nils Lesser, Analyst bei HSBC Trinkaus & Burckhardt. Auch wenn sich die Werbeausgaben nach Einschätzung von Experten nicht unbedingt 1:1 in Verkaufserlösen umrechnen lassen, buhlen doch 12 Trikothersteller um die Gunst der 32 Nationalmannschaften.

Nummer 1 bei den Ausrüstern ist der fränkische Traditionskonzern Adidas-Salomon, der zehn Mannschaften betreut, darunter Weltmeister Frankreich und die DFB-Auswahl von Rudi Völler. Dicht dahinter kommt Branchenprimus Nike mit acht Teams. Die zweite deutsche Marke, Puma, folgt mit deutlichem Abstand an dritter Stelle.

Die Sportartikelbranche investiert Millionen, um ihren Bekanntheitsgrad bei der WM zu steigern. Adidas gibt allein 40 Millionen Euro aus und nimmt dafür einen Gewinnrückgang im ersten Halbjahr in Kauf. Das Unternehmen ist zusätzlich noch ein Turniersponsor und vertreibt WM-Fanartikel, macht Bandenwerbung und stellt den WM-Spielball "Fevernova". Selbst Schiedsrichter und Balljungen laufen in den Turnschuhen mit den drei Streifen auf. Nike steht dem kaum nach und gibt nach Einschätzung von Analysten allein knapp 15 Millionen Euro für Fernsehwerbung während der WM aus.

Hinter den Kulissen wird hart um die Gunst der Mannschaften gebuhlt. "Da geht es zur Sache", sagt ein Branchenkenner. Wenige Monate vor der WM nahm Adidas noch dem US-Konkurrenten Reebok den zweimaligen Weltmeister Argentinien als Ausrüster ab. Puma hat sich bei Mannschaften aus der zweiten Reihe umgesehen und mit dem Afrika-Meister Kamerun ein Team unter Vertrag genommen, das seit längerem mit seinen ärmellosen Trikots für Aufsehen sorgt.

Asien - Unentschlossener Markt

Die WM in Japan und Südkorea ist für die Industrie auch besonders interessant, weil Asien noch ein unerschlossener Markt ist. Asien sei einer der größten Wachstumsmärkte, hatte Adidas-Chef Herbert Hainer erkannt. Im ersten Quartal steigerte das Unternehmen in der Region seinen Umsatz um 25 Prozent.

Branchenkenner halten die hohen WM-Kosten für gerechtfertigt. "Die WM in Frankreich hat sich für Adidas in jedem Fall gelohnt", sagt Lesser. Als die von Adidas betreute französische Elf damals im Sommer 1998 im Endspiel "Nike"-Brasilien bezwang, knallten in der Firmenzentrale in Herzogenaurach die Sektkorken. Adidas wurde nach Einschätzung von Branchenkennern in seinem Stammmarkt Europa noch bekannter.

Arbeitsbedingungen in der dritten Welt kritisiert

Alle Werbeanstrengungen um positive Schlagzeilen können ein dunkles Kapitel der Branche aber nicht verdecken: Alle großen Hersteller produzieren Turnschuhe, Kleidung und Bälle fast nur in Ländern der Dritten Welt, wo Löhne, Arbeits- und Umweltstandards niedrig sind. Adidas lässt seinen offiziellen WM-Fußball in Marokko nähen. "Die Sportartikel werden teilweise unter katastrophalen Bedingungen hergestellt", kritisiert Henry Mathews, Geschäftsführer des Dachverbands der kritischen Aktionäre. Geringe Lohnkosten seien das Einzige, was die Firmen interessiere. So müssten Mitarbeiter in Adidas-Partnerfirmen in Indonesien, Mittelamerika und China manchmal 12 bis 15 Stunden täglich für wenig Geld arbeiten. Bei den anderen Herstellern gäbe es ähnliche Zustände.

Adidas hat nach heftiger Kritik auf seiner Hauptversammlung Mängel bei Arbeitsbedingungen eingeräumt und Besserung angekündigt. Eine Abteilung mit 30 Mitarbeitern gehe allen Vorwürfen nach, sagt ein Unternehmenssprecher. Im vergangenen Jahr habe der fränkische Hersteller 32 Verträge mit Zulieferern gekündigt, die gegen den unternehmenseigenen Verhaltenskodex verstoßen hätten. Für Mathews ist das zu wenig. "Die Unternehmen sollten sich vorher die Zuliefern anschauen, bevor sie Verträge abschließen".

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