Widersprüche bei US-Strategie
Vodafones Weg zur Weltmarke ist steiniger als erwartet

Der britische Mobilfunkkonzern Vodafone ist auf dem Weg, seinen Nimbus zu verlieren. Durch die spektakulären Übernahmen von Mannesmann und zahlreichen weiteren Mobilfunkunternehmen weltweit wurde sein Chef Chris Gent im Jahr 2000 zum Liebling der Finanzmärkte.

Wenn Gent am Dienstag in London das Halbjahresergebnis des bis 31. März laufenden Geschäftsjahres vorlegt, werden die Reaktionen jedoch eher sachlich- kühl als euphorisch ausfallen. Denn unberührt von den Schwierigkeiten der Branche ist auch Vodafone, der einzige europäische Mobilfunk-Weltkonzern, der nicht aus einem Telefonmonopol hervorging, nicht geblieben.

Das enorme Kundenwachstum des vergangenen Jahres hat dazu geführt, dass Mobilfunkunternehmen heute zwar viele Kunden haben, diese aber wenig telefonieren. Vodafones erklärtes Ziel zu Beginn dieses Jahres war es, den durchschnittlichen Umsatz pro Kunde zu steigern. Dies ist Vodafone bei seinen drei größten Beteiligungen, Vodafone UK, der deutschen D2 und der italienischen Omnitel, bisher nicht gelungen. Dabei zählt Vodafone Kunden, die zwar ein Handy haben, aber nicht telefonieren, schon gar nicht mehr mit. In Großbritannien musste Vodafone, wie die Konkurrenz, erstmals Mitarbeiter entlassen.

Neue Datendienste, die neuen Umsatz bringen, brauchen in der gesamten Branche länger bis zur Marktreife als erwartet. Für sie haben die Mobilfunker ihre Netze mit schnellerer GPRS-Technik aufgerüstet. Während gerade die ersten Handys auf den Markt kommen, schneidet in Deutschland ausgerechnet das D2-Vodafone-Netz in Tests am schlechtesten ab. Das fällt vor allem deshalb auf, weil sich D2 von Anfang an von der Telekom-Tochter T-Mobil durch hohe Qualität unterscheiden wollte.

Dass der schwierige Teil jeder Übernahme die Integration der neuen Tochter ist, zeigt sich jetzt bei Vodafone. Der Weg zur Weltmarke jedenfalls erweist sich als steinig: Die stolzen Ex-Mannesmann-Töchter D2 und Omnitel bleiben innerhalb des Vodafone-Verbundes am längsten bei ihren eingeführten nationalen Markennamen; nur die kleineren Beteiligungen in Portugal, Irland und Spanien beteiligen sich am internen Wettlauf, wer zuerst Vodafone heißen darf. Ausgerechnet als Vodafone erste TV-Spots unter eigenem Namen in Deutschland zeigte, lief eine weit auffälligere Werbekampagne für D2. Konkurrent France Télécom hingegen schaffte es binnen weniger Monate, seine Mobilfunktöchter unter der Marke Orange zu vereinen.

Unfertig wirkt auch die US-Strategie Vodafones. Die Briten sind mit 49 % an Verizon Wireless beteiligt, die eine völlig andere Mobilfunktechnik einsetzt als die Europäer. Spätestens bei der Einführung von Datendiensten werden dort Synergien unmöglich.

Als Erfolgsgeschichte ohne Wenn und Aber steht unter den Akquisitionen bisher allein Japan Telecom da: Das Unternehmen gewinnt gegenüber dem Fast-Monopolisten NTT Docomo Marktanteile, seit Vodafone dort das Sagen hat. Und einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz kann Vodafone ebenfalls niemand nehmen: die niedrigen Schulden trotz internationaler Expansion. Denn nach dem Kauf von Mannesmann per Aktientausch gelang es Gent, die nicht in die Mobilfunkstrategie passenden Teile von Mannesmann gegen Bargeld zu verkaufen und so seine Kassen zu füllen.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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