Widersprüchliche Daten resultieren aus unterschiedlichen Erhebungdmethoden
USA: Weniger Arbeitslose und weniger Stellen

US-Unternehmen haben im September entgegen der Erwartungen von Analysten erstmals seit fünf Monaten mehr Stellen abgebaut als neu geschaffen. Allerdings sank überraschend auch die Arbeitslosenquote. Die Daten dämpften an den Märkten Spekulationen um eine baldige konjunkturstützende Leitzinssenkung der US-Notenbank (Fed).

Reuters WASHINGTON. Die Zahl der Beschäftigten ging nach Angaben des Arbeitsministeriums von Freitag zum Vormonat saisonbereinigt um 43 000 zurück, während Volkswirte mit einem Zuwachs von 5000 gerechnet hatten. Die Arbeitslosenquote fiel auf 5,6 % von 5,7 % im August. Analysten hatten dagegen einen Anstieg auf 5,9 % erwartet. Der Dollar reagierte zum Euro mit deutlichen Kursgewinnen. Die US-Börsen eröffneten freundlich, drehten dann aber ins Minus.

In der Vergangenheit ist es schon häufiger vorgekommen, dass sich die Zahl der Beschäftigten und die Arbeitslosenquote in den USA in die gleiche Richtung entwickeln. Dies liegt daran, dass die US-Beschäftigtenzahlen auf den Ergebnissen einer periodischen Umfrage unter Arbeitgebern basieren, während sich die Quote der Erwerbslosen auf Haushaltsbefragungen stützt. Ein Volkswirt des Arbeitsministeriums sagte zudem, die Daten aus der Befragung der Haushalte berücksichtigten im Gegensatz zu den Beschäftigtenzahlen auch Selbstständige. "In dieser Zeit des Jahres sind die Daten aus den Haushalten auch stärker saisonalen Schwankungen ausgesetzt", fügte er hinzu.

Zuletzt war im April die Zahl der Beschäftigten zurückgegangen. Für August revidierte das Arbeitsministerium allerdings die Zunahme der Stellenzahl auf 107 000 von zuvor 39 000 deutlich nach oben. "Das ist sprichwörtlich uneinheitlich", sagte Richard Yamarone, Volkswirt bei Argus Research in New York. "Der Arbeitsmarkt schleppt sich mit geringem Tempo weiter. Ich glaube die Märkte werden sich, ob das nun richtig ist oder nicht, mehr auf die Arbeitslosenquote konzentrieren", fügte er hinzu.

"Der Rückgang der Arbeitslosenquote ist eine ziemlich gute Nachricht", sagte Gary Thayer, Chefvolkswirt von A.G. Edwards & Sons. Zudem sei der unerwartete Rückgang der Stellenzahl im September von der kräftigen Aufwärtsrevision im Vormonat kompensiert worden. Zuletzt habe es viele Sorgen um den Zustand der US-Wirtschaft gegeben, aber die Zahlen zeigten, dass die Konjunkturerholung weiter anhalte, fügte er hinzu.

Yamarone und anderen Volkswirten zufolge dürften die Arbeitsmarktdaten der Fed keine Rechtfertigung für eine weitere Zinssenkung liefern. "Dafür brachen die Währungshüter deutlich schwächere Daten", sagte Yamarone. Die gedämpften Zinssenkungsspekulationen führten an den Kreditmärkten zu Kursverlusten.

Bei ihrem letzten Treffen hatte die Fed die US-Leitzinsen mit 1,75 % auf dem niedrigsten Niveau seit etwa 40 Jahren belassen. Allerdings hatten zwei Mitglieder des für die Geldpolitik verantwortlichen Offenmarktausschusses (FOMC) für eine Zinssenkung gestimmt. Überraschend schwache Daten hatten zuletzt Spekulationen aufkommen lassen, die Fed könnte dieses Jahr der Konjunktur mit einer geldpolitischen Lockerung einen erneuten Impuls geben. Das nächste reguläre Zinstreffen der Fed ist für den 6. November vorgesehen.

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