Widerstand gegen Liberty wächst
Netz-Interessent Compere kommt TV-Industrie entgegen

Mit der Finanzmakler-Gruppe Compere Associates hat ein Unternehmen Interesse an den Kabelnetzen der Deutschen Telekom geäußert, der anders als bisher der Käufer Liberty Media in zentralen Punkten den Forderungen der deutschen Fernsehindustrie entgegenkommt.

Reuters HAMBURG. "Wir würden so viele Medienunternehmen wie möglich ermutigen, ihre Inhalte über unser Netz zu verbreiten", sagte Thomas Crema, Partner bei Compere Associates, am Montag. Compere habe selbst keine Anteile an Inhalte produzierenden Unternehmen. Deshalb gebe es bei Compere keine vertikale Integration wie bei Liberty Media, fügte Crema hinzu.

Der US-Konzern Liberty Media will für 5,5 Mrd. € einen Großteil der Kabelnetze der Deutschen Telekom übernehmen. Doch das Bundeskartellamt hat Bedenken gegen den Einstieg von Liberty, über den es bis zum 7. Januar entscheiden muss. Zur Diskussion steht auch die Kombination von Inhalten und Infrastruktur in einem Konzern, die durch die Übernahme der Netze entstehen würde.

Liberty ist bereits an den großen Medienkonzernen AOL Time Warner und News Corp beteiligt und will auch beim Kirch Premiere-Bezahlsender einsteigen. Unter den privaten und öffentlich-rechtlichen Fernsehveranstaltern in Deutschland war jüngst der Widerstand gegen Liberty gewachsen, weil die Sender fürchten, dass Liberty seine eigenen Kanäle bevorzugt in das Netz einspeisen könnte.

Crema von Compere Associates bestätigte einen Bericht der "Financial Times Deutschland", wonach seine Gruppe sich für das Netz zu einem ähnlichen Preis wie den mit Liberty vereinbarten interessiert. "Wir werden für das Kabel(netz) bieten, wenn die Deutsche Telekom uns dazu einlädt", sagte Crema. "Der Preis erscheint uns angemessen." Das Geschäftsmodell von Compere basiere auf einem offenen Zugang zu den Netzen. "Wir haben kein vertikal integriertes Medien-bis-ins-Haus-Modell wie bei Liberty", fügte Crema hinzu. Die Compere-Gruppe bietet derzeit für das Telefonnetz der British Telecom in Großbritannien.

Crema: Liberty verzögert Entwicklung des digitalen Fernsehens

Crema warf Liberty Media vor, die Entwicklung des interaktiven Digitalfernsehens mit einer Vielzahl von Programmen und Internet-Zugang zu verzögern. "Liberty würde die Breitband-Entwicklung in Deutschland für einige Zeit blockieren, weil sie eine sehr langsame Verbreitung planen", sagte Crema. "Wir verfolgen eine viel aggressivere Strategie für die Verbreitung der aufgerüsteten Kabel." Compere wolle das gesamte Netz innerhalb von drei bis fünf Jahren auf eine Bandbreite von 860 Megahertz (bisher 450) aufrüsten und sieben Milliarden Euro investieren.

Liberty plant früheren Angaben zufolge jährliche Investitionen von 500 Mill. bis einer Mrd. € "in den kommenden Jahren" und will das Netz zunächst auf 510 Megahertz aufrüsten. Das Bundeskartellamt hatte signalisiert, dass Liberty mögliche Bedenken der Behörde dadurch ausgleichen könnte, in dem Liberty in anderen Bereichen wie dem schnellen Internet-Zugang oder der Ortsnetz-Telefonie für mehr Wettbewerb sorge.

Ein Internet-Zugang ist Experten zufolge auch mit 510 Megahertz möglich. "Aber es könnte dann zu Engpässen kommen, wenn in einer Nachbarschaft viele Kunden das Angebot nutzen", sagte Peter Stamm vom Wissenschaftlichen Institut für Kommunikationsdienste. "Ob Telefonie über 510 Megahertz geht ist unklar, die Technik ist im Massenmarkt noch nicht so erprobt."

Compere will MHP unterstützen

Compere unterstützt Crema zufolge im Gegensatz zu Liberty auch den Technikstandard MHP (Multimedia Home Platform), auf den sich die deutsche Fernsehindustrie im Sommer geeinigt hatte. "Ich denke, MHP ist notwendig", sagte Crema. ARD, ZDF und die Privatsender erneuerten am Montag unterdessen ihre Kritik an Liberty Media, das den Standard als zu teuer ablehnt. "Nur auf Grundlage eines einheitlichen und offenen technischen Standards kann der digitale Fernsehmarkt in Deutschland schnell entwickelt werden", erklärten ARD, ZDF und die Privatsender.

Ein Beamter im Bundeskartellamt, der mit dem Fall befasst ist, bestätigte, dass Compere sich zu dem Prüfverfahren über eine Genehmigung der Netz-Übernahme durch Liberty habe "beiladen" lassen. Diese gewünschte Teilnahme sei mit "Erwerberinteresse" begründet worden. Der Beamte bestätigte, dass es unter den Wettbewerbshütern Bedenken gegen die Liberty-Übernahme gebe und dass bei Fortbestehen dieser Bedenken noch im Dezember eine Abmahnung erfolgen müsse.

Die Deutsche Telekom zeigte sich dennoch weiter zuversichtlich, dass ihre Übernahme-Vereinbarung mit Liberty genehmigt wird. "Wir sind optimistisch, dass der (Telekom)-Deal mit Liberty klappt", sagte ein Sprecher. Bei der PR-Agentur von Liberty Media in Deutschland war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

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