Widerstand wächst: Afrika wäre Verlierer eines US-Kriegs gegen Irak

Widerstand wächst
Afrika wäre Verlierer eines US-Kriegs gegen Irak

In Afrika wächst der Widerstand gegen einen möglichen Irak-Krieg. Zuletzt schloss sich Nigeria der deutschen Haltung an: "Irak sollte mit Hilfe der Vereinten Nationen friedlich entwaffnet werden. Amerika sollte begreifen, dass es als einzige Supermacht der Welt Vorsicht walten lassen sollte in allem, was es tut", sagte Nigerias Präsident Olusegun Obasanjo am Donnerstag in Abuja.

HB/dpa NAIROBI. Einen Tag später kündigte Südafrikas Präsident Thabo Mbeki die Entsendung von Abrüstungsberatern nach Irak an. Der Schatten des Kriegs trifft Afrika. Der Kontinent ist strategisch attraktiv für die USA. Doch unter den am Geber-Tropf hängenden Staaten gäbe es viele Verlierer, warnen Experten.

"Warum kann ganz Afrika nicht zusammen mit Deutschland Stellung gegen den Krieg beziehen?", fragte ein kenianischer Hörer im lokalen Radio. Nicht nur an der Basis wächst der Widerstand. "Ich verurteile, dass eine Macht mit einem Präsidenten ohne Weitsicht die Welt in einen Holocaust stürzt", sagte der Ex-Präsident Südafrikas, Nelson Mandela, vor wenigen Wochen auf dem Gipfel der Afrikanischen Union (AU) in Addis Abeba. Die AU erteilte dem Krieg ein klares Nein.

Neben politischen Motiven sind es in erster Linie Existenzsorgen, die Vertreter des von westlicher Hilfe abhängigen Kontinents drücken. Ein Krieg im Irak würde nach Ansicht eines hochrangigen US-Diplomaten die humanitäre Hilfe für Hungernde in Afrika akut gefährden. "Wenn die Welt sich derart auf den Irak konzentriert, könnte es dazu kommen, dass viele Menschen in den Hungerländern sterben", sagte Tony Hall, US-Botschafter bei der Welternährungs-Organisation (FAO), in Rom. "Die Nahrungshilfe von vielen privaten und öffentlichen Gebern würde abflauen", sagte Hall. Auswirkungen könnte dies gerade im südlichen und am Horn von Afrika haben, wo derzeit fast 40 Mill. Menschen vom Hunger bedroht sind.

Doch selbst, wo Hilfe fließt, könnte sie militärisch blockiert werden: Viele Menschen am Horn von Afrika sorgen sich um einen Verkehrsstau in und um Häfen des Roten Meers und Golfs von Aden, insbesondere dem von Dschibuti. Die Kriegsschiffe der USA und ihrer Alliierten könnten dort die Nachschubwege verstopfen, meinen sie.

Die USA nutzen in dieser Region das moslemische Dschibuti nicht nur als Basis für ihr Antiterror-Hauptquartier, sondern trainieren dort auch seit Wochen für einen Wüstenkrieg. Die US-Truppe in Dschibuti umfasst allein über 1000 Marines. Zahlreiche Kriegsschiffe des Internationalen Truppenverbands am Horn von Afrika, dem auch die Deutsche Marine angehört, kreuzen dort zudem seit Beginn letzten Jahres zur Sicherung der Seewege. Sie leisten nun auch Begleitschutz für US-Versorgungsschiffe auf ihrem Weg zum Golf.

Auf der weit entfernten, seit 1965 zur US-Militärbasis mutierten Insel Diego Garcia im Indischen Ozean soll in Kürze ein großes Krankenhaus-Schiff der US-Navy, die USS Comfort, eintreffen. Dort sollen im Ernstfall ausgeflogene Verletzte US-Soldaten behandelt werden. Von Diego Garcia aus bombardierten amerikanische B-52-Flieger im letzten Jahr die Taliban in Afghanistan. US-Bomber der "Operation Wüstensturm" flogen von hier im letzten Golfkrieg Angriffe auf den Irak. Tausende von den USA zwangsumgesiedelte ehemalige Inselbewohner kämpfen derweil den aussichtslosen Kampf um die Rückkehr in ihre Heimat.

Das westafrikanische Inselreich Sao Tome und Principe, das strategisch günstig im Golf von Guinea gelegen ist, wurde nach offiziell unbestätigten Berichten für den Bau eines weiteren US- Marine-Stützpunkts ausgeguckt. Die Länder um den Golf von Guinea erfreuen sich zur Zeit bei den USA auch aus anderem Grund großer Beliebtheit: Allein im vergangenen Jahr wurden vor der Küste von West- und Zentralafrika Rohöl-Vorräte von sieben Mrd. Barrel entdeckt. Das Öl hat von dort einen recht kurzen Seeweg in die USA.

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