Widerstand wächst
Umzug der Barons nach Hamburg droht zu scheitern

Der Umzug der München Barons nach Hamburg droht am Veto einiger DEL-Clubs zu scheitern. Eine Woche nach dem Bekanntwerden des spektakulären Geschäfts zwischen dem US- amerikanischen Multi-Milliardär Philip F. Anschutz und seinem finnischen Partner Harry Harkimo ist der Widerstand innerhalb der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gewachsen.

dpa MÜNCHEN. Die erforderliche Dreiviertel-Mehrheit, mit der die Clubs auf der DEL- Gesellschafterversammlung am 24. Juni zustimmen müssen, ist in Gefahr: Mit Schwenningen, Augsburg, Nürnberg, Krefeld und Iserlohn sind bereits fünf der 14 zur Abstimmung berechtigten Vereine gegen den Standortwechsel.

Das Vorgehen der Investoren und wirtschaftliche Nachteile sind die Hauptgründe für die Ablehnung. "Die anderen Vereine werden vor vollendete Tatsachen gestellt. Das machen wir nicht mit", sagt Wolfgang Brück, Hauptgesellschafter der Iserlohn Roosters, "der gute Onkel aus Amerika ist für mich kein guter Onkel. Er sollte sich an Regeln halten." Auch die anderen Vereine kritisieren, dass die Anschutz Entertainment Group (AEG) als Inhaber der Barons die Liga nicht offiziell informiert hat und das Vorgehen des Profisports in den USA auf den deutschen Markt übertragen will.

Die Schwenninger Wild Wings, so Geschäftsführer Stefan Preuß, halten dieses Verhalten "nicht vereinbar mit dem Anspruch, innerhalb der Liga vertrauensvoll und loyal zusammen zu arbeiten". Für Geschäftsführer Karl-Heinz Fliegauf von den Augsburger Panthern steht fest: "So einfach, wie es sich die Herren vorstellen, wird es nicht. Wir stimmen mit Nein." Augsburg und auch die Nürnberg Ice Tigers büßen durch das "Aus" in München zuschauerträchtige Derbys und damit Einnahmen ein.

Schwenningens Preuss beklagt, dass die Verlegung in der geplanten Form das Produkt DEL beeinträchtige und dem Image der Liga schade. Dem Club selbst würden deshalb Erschwernisse und wirtschaftliche Nachteile im Sponsoringbereich entstehen. Durch höhere Reisekosten und Einnahmeausfälle (Preuß: "Aus Hamburg sind weniger Fans als aus München zu erwarten") würden dem Verein auch wirtschaftliche Nachteile aus dem Spielbetrieb entstehen. DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke will sich an der Debatte nicht beteiligen und verweist auf die bevorstehende Versammlung, auf der die AEG darlegen werde, dass der norddeutsche Standort aus unternehmerischer Sicht sehr viel wertvoller und für Sponsoren viel interessanter sei.

Die AEG, die in drei unrentablen Münchner Jahren einen Verlust von zehn Millionen Euro gemacht haben soll, lässt für den Fall der Ablehnung vorsorglich schon die Muskeln spielen. "Es gibt keinerlei Alternativen. Entweder Hamburg oder gar nicht", droht AEG-Manager Detleff Kornett den "Nein"-Sagern, die nicht überall auf Zustimmung treffen. So findet es Geschäftsführer Matthias Binder von Adler Mannheim gut, "wenn es Eishockey in modernen Hallen und Großstädten zu sehen gibt". Trainer Lance Nethery von den Frankfurt Lions begrüßt den insgesamt schon vierten Lizenzwechsel in der DEL nicht, "aber im Prinzip haben die betroffenen Clubs aus wirtschaftlichen Zwängen doch keine Alternative."

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