Wie das deutsche Arbeitsrecht neue Jobs verhindert (13)
Befristungen

Die Befristung eines Arbeitsvertrages ist dann nicht zulässig, wenn der Eingestellte bei dem selben Arbeitgeber schon einmal gearbeitet hat. Diese Regelung macht vielen Unternehmen zu schaffen.

DAS PROBLEM: Befristete Arbeitsverträge könnten ein wahrer Beschäftigungsmotor sein. Doch rechtlich stecken solche Verträge voller Risiken: Seit 2001 gilt etwa die Befristung eines Arbeitsvertrages als unzulässig, wenn der Eingestellte bei dem selben Arbeitgeber bereits zu irgend einem Zeitpunkt schon einmal gearbeitet hat. Diese Regelung macht vielen Unternehmen zu schaffen: Bei der Einstellung neuer Mitarbeiter ist der Arbeitgeber erheblich in seinen Auswahlmöglichkeiten eingeschränkt. Besonders in strukturschwachen Gebieten mit nur wenigen Arbeitgebern verringern sich laufend die Chancen, neue Mitarbeiter befristet einzustellen, da der regionale Arbeitsmarkt nur eine begrenzte Auswahl potenzieller Arbeitnehmer bereithält. Entsprechend sinken in diesen Gebieten auch die Aussichten, einen neuen Job zu finden.

DIE PRAXIS: "Ich beschäftige in meinem Unternehmen 22 Arbeitnehmer und drei Auszubildende und bin darauf angewiesen, möglichst flexibel befristete Arbeitsverhältnisse abschließen zu können. Dies liegt vor allem an der stark saisonabhängigen Nachfrage im Bereich des Garten- und Landschaftsbaus und der Witterungsabhängigkeit dieser Branche. Das neue Befristungsrecht ist für mich mit erheblichen Nachteilen verbunden. Zum einen kann ich sachgrundlos nur noch dann befristet einstellen, wenn ich den Arbeitnehmer noch nie zuvor beschäftigt habe. Als regionaler Anbieter bin ich aber auf die Arbeitskräfte in meinem Umfeld angewiesen. Ich kann daher nicht auf eine unbegrenzte Menge Bewerber zurückgreifen. Es ist schon öfter vorgekommen, dass ich einem qualifizierten und eingearbeiteten Mitarbeiter eine Absage erteilen musste, weil er schon einmal für mich gearbeitet hat. Wegen der unsicheren Auftragslage konnte ich ihn dann aber nicht unbefristet einstellen. So war ich gezwungen, einen anderen zu nehmen, den ich zeit- und kostenaufwendig einarbeiten musste. Zudem habe ich ständig Sorge, aus Versehen jemanden das zweite Mal befristet einzustellen und damit automatisch ein unbefristetes Arbeitsverhältnis einzugehen. Es kann ja Jahre zurückliegen, dass er bei mir gearbeitet hat und sei es nur als Werkstudent. Dies trägt nicht gerade dazu bei, dass meine Bereitschaft steigt, Leute einzustellen."

Egon Schnoor ist Geschäftsführender Gesellschafter Turner GmbH, Garten- und Landschaftsbau in Syke

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