Wie das deutsche Arbeitsrecht neue Jobs verhindert (17)
Zeitarbeit

Ab 2004 sollen Zeitarbeitsfirmen grundsätzlich verpflichtet sein, ihren Arbeitnehmern im Wesentlichen die gleichen Arbeitsbedingungen zu gewähren, die im jeweiligen Entleihbetrieb gelten. Den Firmen droht nun ein enormer bürokratischer Aufwand.

DAS PROBLEM: Zeitarbeit schafft Arbeitsplätze: Sie ermöglicht Unternehmen, in vielen Bereichen ihre Belegschaft flexibel der Auftragslage anzupassen, ohne ständig kündigen und neu einstellen zu müssen - in der Theorie. In der Praxis aber macht der Gesetzgeber den Zeitarbeitsfirmen das Leben schwer. Ab 2004 sollen sie grundsätzlich verpflichtet sein, ihren Arbeitnehmern im Wesentlichen die gleichen Arbeitsbedingungen zu gewähren, die im jeweiligen Entleihbetrieb gelten. Davon kann nur durch tarifvertragliche Regelungen abgewichen werden. In jedem Fall droht den Zeitarbeitsfirmen enormer bürokratischer Aufwand.

DIE PRAXIS: "Von der zu erwartenden Verteuerung einmal abgesehen wird die gesetzliche Neuregelung zu einem Verwaltungsaufwand führen, der in der täglichen Praxis nur schwer bewältigt werden kann. Für uns als Personaldienstleister würde die gesetzliche Verpflichtung bedeuten, dass wir vor jedem Einsatz alle wesentlichen Arbeitsbedingungen des jeweiligen Entleihbetriebes in Erfahrung bringen müssten. Anschließend wären diese Arbeitsbedingungen wohl zu dokumentieren und gegebenenfalls sogar noch zu kontrollieren. Muss der Personaldienstleister jetzt immer sämtliche Tarifverträge parat haben, wenn er Mitarbeiter in Betrieben einsetzen will, die tarifgebunden sind? Ganz zu schweigen von den zu erwartenden Schwierigkeiten bei der Entgeltabrechnung. Stellen Sie sich doch mal vor: Der Mitarbeiter war in verschiedenen Betrieben jeweils nur kurzfristig eingesetzt und dazwischen lagen zudem noch einsatzfreie Zeiten. Nach welchen Kriterien erfolgt denn dann zum Beispiel die Berechnung der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall? Hinzu kommt, dass auch noch offen ist, welche der Arbeitsbedingungen der Gesetzgeber überhaupt als wesentlich angesehen haben möchte und welche nicht. Wenn etwa im Betrieb des Entleihers die Möglichkeit zum verbilligten Personaleinkauf besteht, könnte das von dem einen oder anderen durchaus als wesentlich angesehen werden. Wir als Personaldienstleister sind aber gar nicht in der Lage, im Betrieb des Entleihers für dort produzierte Waren Mitarbeiterrabatt zu gewähren. Für die Zeitarbeit heißt das letztlich: Die neue Regelung ist praktisch nicht umsetzbar."

HEIDE FRANKEN ist Geschäftsführerin der Randstad Deutschlland GmbH&Co.KG in Eschborn

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