Wie das deutsche Arbeitsrechtneue Jobs verhindert (7)
Teilzeitanspruch

Die Anforderungen der Gerichte an Arbeitgeber, die dem Wunsch eines Arbeitnehmers nach Verringerung seiner Arbeitszeit nicht nachkommen wollen, sind hoch.

DAS PROBLEM: Nach dem neuen Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) kann jeder Arbeitnehmer, der seine Arbeitszeit verringern will, seinen Wunsch gerichtlich durchsetzen. Das gilt auch für seine Vorstellungen, wie sich seine Arbeitszeit auf die Arbeitswoche verteilen soll. Hat der Arbeitgeber Einwände, muss er "betriebliche Gründe" geltend machen, die diesen Wünschen entgegenstehen - und zwar schriftlich und spätestens einen Monat vor dem gewünschten Beginn der reduzierten Arbeitszeit. Macht er dabei Fehler, tritt der Änderungswunsch des Arbeitnehmers automatisch in Kraft. Hat der Arbeitgeber form- und fristgerecht reagiert, kann er sich noch nicht zurücklehnen - notfalls muss er vor Gericht die betrieblichen Gründe darlegen und beweisen. Und die Anforderungen der Gerichte gegenüber den Arbeitgebern sind hoch.

DIE PRAXIS: "In meinem Unternehmen habe ich bislang die Position vertreten, dass Teilzeitarbeit eine sinnvolle Sache ist. Vor allem Frauen mit Kindern haben von meiner positiven Einstellung zur Teilzeitarbeit profitiert. Wo es möglich war, habe ich immer versucht, einen Teilzeitarbeitsplatz einzurichten. Das hat sich seit der Schaffung des generellen Teilzeitanspruchs geändert. Heute sehe ich mich einem offiziellen Teilzeitantrag meiner Arbeitnehmer gegenüber, muss mich an Fristen halten und schriftliche Erklärungen abgeben. Unglaublich finde ich, dass ich mich nicht nur damit befassen muss, um wie viele Stunden der Arbeitnehmer seine Arbeitszeit verringern will; vielmehr kann er nach dem Gesetz jetzt auch entscheiden, auf welche Tage er seine verringerte Arbeitszeit legen will. Ich habe hier schon die absurdesten Teilzeitwünsche gehabt. Nach dem Gesetz ist es ja sogar möglich, seine Arbeitszeit nur um drei oder vier Stunden zu verringern. Danach kann sich jemand wünschen, dass er z.B. mittwochs morgens oder freitags nachmittags nicht arbeiten muss. Oder aber er kann verlangen, dass er jeden Tag eine Stunde später anfängt. Wer will das nicht? Selbst um solche Wünsche abzulehnen, muss ich betriebliche Gründe vortragen können. Und die muss man dann erst mal vor Gericht beweisen. Dieser Teilzeitanspruch hat das Betriebsklima nicht gerade positiv beeinflusst."

MYRIAM SCHROEDER von der Personalleitung bei Impex Electronic HGmbH & Co. in Koblenz

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