Wie das deutsche Arbeitsrechtneue Jobs verhindert (9)
Schwellenwerte und Teilzeit

Teilzeitkräfte zählen bei den arbeitsrechtlichen Schwellenwerten voll mit. Die Aufstellung eines Sozialplanes ist bei mehr als 20 Arbeitnehmern Pflicht. Will ein Arbeitgeber aus je einer Vollzeitstelle zwei Teilzeitstellen schaffen, verdoppelt sich die Zahl der Beschäftigten.

DAS PROBLEM: Viele Unternehmen haben eigentlich kein Problem mit Teilzeit - im Gegenteil. Doch der Gesetzgeber legt ihnen dabei Steine in den Weg. Ein großes Ärgernis für viele Arbeitgeber ist etwa, dass Teilzeitkräfte bei den arbeitsrechtlichen Schwellenwerten voll mitzählen. Das Betriebsverfassungsgesetz enthält verschiedene Normen, die erst ab einer bestimmten Zahl von Arbeitnehmern gelten. Die Aufstellung eines Sozialplanes etwa ist bei mehr als 20 Arbeitnehmern Pflicht. Hierbei wird nicht danach unterschieden, ob die Arbeitnehmer Teilzeit- oder Vollzeitbeschäftigte sind. Entscheidet sich ein Arbeitgeber, aus je einer Vollzeitstelle zwei Teilzeitstellen zu schaffen, verdoppelt sich automatisch die Zahl der Beschäftigten. Der Unternehmer überschreitet dadurch die arbeitsrechtlichen Schwellenwerte. Schon deshalb wird sich jeder Arbeitgeber genau überlegen, ob er lieber viele Teilzeit- oder wenige Vollzeitstellen schafft.

DIE PRAXIS: "In unserem Unternehmen haben wir eine Teilzeitquote von etwa 70 %. Zur Erledigung der selben Aufgaben haben wir daher wesentlich mehr Arbeitnehmer, als wenn wir nur klassische Vollzeitstellen anbieten würden. Mit der hohen Teilzeitquote erreichen wir in unserer personalintensiven Branche eine optimale Organisation und kommen den Wünschen der zu weiten Teilen weiblichen Belegschaft nach Arbeitszeiten, die sich mit dem Familienleben vereinbaren lassen, entgegen. Das Arbeitsrecht nimmt auf diese Konstellation keinerlei Rücksicht. In fast allen Gesetzen werden die Arbeitnehmer nur nach Köpfen und nicht nach ihrem tatsächlichen Arbeitszeitanteil gezählt. Die für unser Unternehmen nachteiligste Folge liegt im Betriebsverfassungsgesetz: Unsere Betriebsräte sind viel größer und wir haben weit mehr Freistellungen, als wenn wir nur Vollzeitarbeitnehmer hätten. In Zahlen heißt das: Wir müssen jedes Jahr rund 2,5 Mill. Euro mehr an Kosten für Betriebsräte und Freistellungen aufwenden. Der Gesetzgeber sollte Teilzeitarbeit fördern, indem er Teilzeitbeschäftigte immer nur jeweils nach dem Umfang ihrer Arbeitszeit berücksichtigt. Das wäre eine fortschrittliche und vor allem kostenlose Maßnahme, um Arbeitsplätze zu schaffen."

BERNDFRIED DORNSEIFER ist Leiter Personal der REWE Unternehmensgruppe, Köln

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