Wie das neue Team des wiedergewählten Präsidenten aussehen könnte
Was wird aus Powell?

Die wichtigsten Fragen für das Kabinett des wiedergewählten Präsidenten George W. Bush lauten: Geht Außenminister Colin Powell? Und bleibt Verteidigungsminister Donald Rumsfeld? Die Aussichten, dass Powell weitermacht, werden im Bush-Lager als gering eingeschätzt.

WASHINGTON. Der Chef-Diplomat habe die jahrelangen Grabenkämpfe mit den "Falken" in der Regierung satt, heißt es. Es gebe nur eine Chance, dass der Multilateralist Powell an Bord bleibe, betonen Freunde des Außenministers: Sein Dauer-Kontrahent Rumsfeld, provo-kanter Prediger eines "alten" und "neuen" Europas, scheide aus. Dafür gibt es allerdings keine Anzeichen. "Bush hält nach wie vor große Stü-cke auf den Pentagon-Chef", betont ein hochrangiger Mitarbeiter im Weißen Haus.

Sollte Powell das Handtuch werfen, steht eine Reihe von Kandidaten Schlange. Unter anderem wird der stellvertretende Verteidigungsminister Paul Wolfowitz genannt, einer der Architekten des Irak-Krieges, die beseelt sind von der globalen Verbreitung der Demokratie. Doch gegen Wolfowitz spricht, dass der Senat den Bannerträger einer neo-konservativen US-Außenpolitik blockieren könnte. Sehr gute Karten habe hingegen der amerikanische Uno-Botschafter John Danforth, heißt es aus dem Umfeld von Bush. Mit im Spiel seien auch Heimatschutzminister Tom Ridge, Handelsminister Don Evans sowie der Vorsitzende des Auswärtigen Senatsausschusses, Richard Lugar. Dem US-Botschafter in Berlin, Daniel Coats, wird Interesse am Außen- oder Verteidigungsministerium nachgesagt.

Als sehr wahrscheinlich gilt, dass Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice freiwillig geht. Sie war gelegentlich mit Rumsfeld aneinander geraten, von dem sie die Koordinierung der Irak-Politik übernommen hatte. Eine Zeitlang galt sie als heiße Anwärterin auf den Außenminister- oder Verteidigungsminister-Posten. Doch Rice habe keine besonders große Lust auf die vielen diplomatischen Routine-Treffen, unterstreichen Vertraute. Die promovierte Politikwissenschaftlerin ziehe es vielmehr zurück an die Universität. Rice hat jedoch einen engen Draht zu Bush: Und falls der Präsident sie dränge, könnte sie sich zu einer Verlängerung in Washington breitschlagen lassen, heißt es. Allerdings würde sie dann vermutlich auf einen Neu-Zuschnitt ihrer Aufgabe pochen.

Falls Rice ihre Uni-Karriere wei-terverfolgen sollte, hat ihr Stellvertreter Stephen Hadley gute Karten, aufzurücken. Auch Robert Blackwill, der im Nationalen Sicherheitsrat die Fäden in der Irak-Politik zieht, wird als Kandidat gehandelt.

Insider im Weißen Hause rechnen mit einer zweiten Amtszeit von Finanzminister John Snow. Er habe für Ruhe im Ressort gesorgt, das durch die lockere Zunge seines Vorgängers Paul O?Neill gelegentlich in Verruf geraten war. Der Präsident schätze Snows Qualitäten als Chef-Verkäufer der Steuersenkungen - darauf baue er auch beim bevorstehenden Projekt einer Steuervereinfachung. Dennoch halten es Insider für möglich, dass Snow nach einem Jahr ausscheidet.

Als einer der möglichen Nachfolger gilt Stephen Friedman, Chef des Nationalen Wirtschaftsrates. Auch Josh Bolten, Direktor des Haushaltsbüros im Weißen Haus und Vertrauter des Präsidenten, hat im Personal-Karussell einen vorderen Platz. Ebenfalls im Rennen ist Glenn Hubbard, Rektor der Columbia Business School in New York und ehemals Vorsitzender des Wirtschaftsrates im Weißen Haus.

Der Handelsbeauftragte Robert Zoellick werde sehr wahrscheinlich nicht in seinem jetzigen Job verlängern, heißt es. Er galt eine Zeitlang als längerfristige Option für das Finanzressort. Nachfolger Zoellicks könnte Grant Aldonas werden, derzeit Staatssekretär in der internationalen Abteilung des Handelsministeriums. Ebenfalls genannt wird Gary Edson, der früher im Nationalen Sicherheitsrat für internationale Wirtschaftsbeziehungen zuständig war.

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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