Wie das Risiko von Kursschwächen am Aktienmarkt reduziert werden kann
Discount-Zertifikate bieten Anlegern die Chance auf einen ruhigen Schlaf

Mit Discount-Zertifkate können Anleger zahlreiche Strategien umsetzen. Als Anlageinstrument für den Fall einer moderaten Aktienkurserwartung des Anlegers während der kommenden 12 bis 18 Monate sind dies derzeit ideale Investmentinstrumente.

Der Grund hierfür ist einleuchtend, wenn das Auszahlungsprofil eines klassischen Discount-Zertifikates betrachtet wird. Discount-Zertifikate auf Aktien zeichnen sich zunächst dadurch aus, dass sie eine positive Aktienkursentwicklung nur bis zum zuvor definierten Cap - also einer Kursobergrenze - mitmachen. Die Wertentwicklung des Zertifikats ist also bis zu diesem Cap begrenzt. Dies gilt auch dann, wenn die Aktie diesen Cap überschreitet.

Dieser Nachteil wird für Anleger durch einen positiven Effekt ausgeglichen. Diese Kompensation erfolgt dadurch, dass beim Erwerb dieses Zertifikates ein Abschlag vom eigentlichen Aktienkurs gewährt wird, der Erwerber somit einen "Discount" erhält. Mit dieser Struktur können äußerst attraktive Renditen erzielt werden, wenn auch durch den Cap begrenzt. Andererseits besitzt der Anleger durch den Discount sogar einen Sicherheitspuffer nach unten, d.h. er kann selbst dann noch einen Gewinn erzielen, wenn die Aktie leicht fällt. Diese Instrumente sind also ideal für jene Anleger, die eine grundsätzlich positive Aktienkursentwicklung erwarten, aber das Risiko ihres Investments etwas reduzieren wollen.

Markterwartung wichtig

Bei der Auswahl eines bestimmten Caps kommt es zunächst auf die konkrete Markterwartung für die Aktie und das gewünschte Chance-/Risko-Profil der Anlage an. Die Unterschiede können durch den Vergleich der in der Tabelle aufgeführten Discount-Zertifikate mit jeweiliger Restlaufzeit von 15 Monaten auf die Aktie der Schering AG veranschaulicht werden.

Im Beispiel 1 ist der aktuelle Aktienkurs oberhalb des Caps. Wenn der Aktienkurs am Verfalltag genau dem Cap-Kurs entsprechen oder darüber liegen sollte, bekommt der Anleger den Cap-Betrag ausgezahlt. Selbst wenn die Aktie um 4,90 fallen sollte, würde der Anleger 50 erhalten, was bei einem Einstiegskurs von 44,71 einer maximalen Rendite bis zum Laufzeitende von 11,8 % entspricht.

Der Discount zum jetzigen Kaufzeitpunkt liegt mit 18,6 % unter dem Aktienkurs. Die Aktie könnte somit um 18,6 %, bzw. 10,19 , zum Laufzeitende fallen, bevor die Verlustzone erreicht wird. Würde die Aktie am Verfalltag unter dem Cap schließen, z.B. bei 40 , würde genau dieser Betrag ausgezahlt, wodurch ein wesentlich geringerer Verlust als beim direkten Kauf der Aktie entstehen würde. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass bei manchen Emittenten statt eines Barausgleichs die Aktie geliefert wird, wenn am Verfalltag der Cap nicht erreicht wird. Dies macht für den Anleger jedoch wirtschaftlich keinen Unterschied.

Kennzeichnend für das Szenario des ersten Beispiels ist durch den niedrig gewählten Cap die deutliche Reduzierung des Risikos mit dem großzügigen Risikopuffer nach unten, was jedoch andererseits eine stärkere Begrenzung der max. Rendite zur Folge hat.

Goldene Mitte

Etwas anders stellt sich das Chance-/Risiko-Profil im 3. Beispiel dar. Der Cap ist hier deutlich höher gewählt, was eine größere maximale Rendite ermöglicht. Dafür ist der Discount bzw. der Risikopuffer nach unten bei weitem nicht so großzügig - die Verlustzone ist wesentlich früher als im ersten Beispiel erreicht.

Den "goldenen Mittelweg" zeigt das Beispiel 2 mit seinen in jeder Hinsicht interessanten Parametern auf. Im Vergleich der drei Beispiele untereinander gibt es zum Zeitpunkt der Investition keine qualitative Rangordnung in dem Sinn von besser oder schlechter. Es kommt allein auf das gewünschtes Chance-Risiko-Profil an. Was hiervon besser laufen wird, erfährt man auch hier erst in der Nachbetrachtung.

Selbstverständlich muss der Anleger nicht zwingend bis zum Verfalltermin diese Papiere halten. Bei nahezu allen Emissionen werden während der Laufzeit Kauf- und Verkaufskurse gestellt, so dass ein Verkauf oder ein Einstieg jederzeit möglich ist - entweder börslich oder außerbörslich.

An diesem Punkt schließt sich die Frage nach der Herleitung der Kursstellung an. Diese ergibt sich aus der Zusammensetzung des innovativen Produkts. Discount-Zertifikate stellen eine Synthese aus einer Aktienposition und dem Verkauf einer Call-Option (Kaufoption) dar. Beim Erwerb des Zertifikats "kauft" der Anleger wertmäßig eine Aktie und "verkauft" gleichzeitig eine Call-Option mit einem Basispreis in Höhe des Caps und einer dem Zertifikat entsprechenden Laufzeit.

Durch den Optionsbestandteil des Zertifikats kommt selbstverständlich auch die implizite Volatilität als Kurseinflussfaktur ins Spiel. Da diese im aktuellen Börsenumfeld generell auf einem recht hohen Niveau ist, hat dies bei einem momentanen Einstieg einen angenehmen Begleiteffekt, da hierdurch die verkaufte Option teurer wird und somit der Discount noch etwas vergrößert wird. Die implizite Volatilität ist bei Aktien in der Regel höher als bei Indizes. Fazit: Discount-Zertifikate sind eine ideale Anlageform für Anleger mit moderaten Markterwartugen. Anleger können durch den Einsatz dieser Produkte das Risiko von Kursschwächen reduzieren und sich gleichzeitig stattliche Renditechancen erhalten.

Berthold Grünebaum ist Derivate-Experte bei der DZ-Bank in Frankfurt am Main

Quelle: Handelsblatt

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