Wie das ZDF bei Mitmach-Shows mitmischen will
Mainzer Revanche an Dieter Bohlen

Das ZDF tritt in Konkurrenz zur RTL-Show "Deutschland sucht den Superstar". Für den öffentlich-rechtlichen Sender soll die Mitmach-Show endlich die erhofften jüngeren Zuschauer bringen.

KÖLN. Dieter Bohlen persönlich machte bereits ungewollt Werbung für die neue Talent-Show "Die deutsche Stimme 2003" im ZDF. Der Produzent und Fernsehstar verwies im Casting für die neue Staffel der RTL-Show "Deutschland sucht den Superstar" auf die Mainzer Konkurrenz: "Mit Deiner Stimme solltest du Dich besser beim ZDF bewerben, die suchen jetzt auch Stars", sagte er einer wenig überzeugenden Kandidatin.

Im Auftrag des Zweiten übte derweil am vergangenen Wochenende Ralph Siegel, Langzeit-Produzent und regelmäßiger Grand Prix d?Eurovision-Teilnehmer, mit den Gesangs-Bewerbern - stilecht am Flügel, wie es der Zuschauer sonst nur von Bohlen kennt. Mit sichtlicher Genugtuung lobte das 57-jährige Jury-Mitglied "das tolle Erlebnis mit den Künstlern", ohne einen Satz über den Massen-Erfolg seines Konkurrenten Bohlen zu verlieren.

Beim ZDF nimmt man Bohlens Bemerkungen jedoch gerne auf: "Gute Werbung für uns", sagt ein Sender-Sprecher. Das Konzept Talentshow ist in diesem Sommer das große Geschäft auf nahezu allen TV-Kanälen. Selbst die ARD versuchte sich bereits daran, gab nach wenigen Folgen aber wieder auf

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Gemeinsam mit der ZDF-Moderatorin Andrea Kiewel geht Kai Böcking ("Formel 1", "Risiko") nun ab 18. September als Präsentator auf die Suche nach Stars zwischen 18 und 45 Jahren. Aus neun Kandidaten soll nach sieben Live-Sendungen eine Stimme übrig bleiben. Wer das sein wird, entscheiden die Zuschauer per Telefon.

Für den öffentlich-rechtlichen Sender soll die Mitmach-Show endlich die erhofften jüngeren Zuschauer bringen. Das Alter des durchschnittlichen ZDF-Zuschauers liegt schließlich bei 59 Jahren. "Wir rechnen bei den Zuschauern zwischen 14 und 49 Jahren mit einem Marktanteil deutlich über 15 %", hofft Manfred Teubner, Unterhaltungschef des ZDF. Teubner räumt zwar ein, mit der RTL-Show nicht mithalten zu können. Doch was das Geschäftsmodell hinter der "deutschen Stimme" angeht, muss sich Teubner vor dem Kölner Privatsender nicht verstecken.

Mit im Boot sitzt die Musik-Produktion BMG, Ableger des Bertelsmann-Konzerns, mit ihrem Platten-Label Ariola. "Wir können jeden der neun Kandidaten unter Vertrag nehmen", erklärt André Finkenwirth die Vermarktungsrechte für die ZDF-Show. Wer gut singt, soll als neuer deutscher Star aufgebaut werden. Bei BMG sind auch die Sänger der RTL-Show unter Vertrag. Außerdem hat BMG die Musikvermarktungsrechte für die Talent-Show "Fame Academy", die im September auf RTL II startet.

Die Herstellung der ZDF-Show übernimmt Endemol, Produktionstochter des spanischen Telekommunikationskonzerns Telefonica. Auch "Fame Academy" kommt aus dem Hause Endemol. "Wir haben nach einem schwachen letzten Jahr ein gutes Geschäftsjahr 2003", freut sich Endemol-Produktionschef Rainer Laux angesichts des Ansturms der Sender auf Gesangstalente.

Mit dem neuen Show-Projekt "Unser Bester" ab November ist das ZDF in der Vermarktung mit werbefinanzierten Privatsendern ebenfalls gleichauf. Das ZDF geht gemeinsam mit der "Bild"-Zeitung auf die Suche nach dem berühmtesten Deutschen. Wer gewinnt, entscheidet auch hier das Volk.

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