Wie der Arag World Team Cup und die Gerry Weber Open den Abschwächungstendenzen im Tennis trotzen
Dollarschwäche ärgert die Turnierdirektoren

Es war der Wunsch der europäischen Turnierdirektoren. Doch ausgerechnet jetzt, wo ihr Vorschlag erstmals in die Tat umgesetzt wird, geht der Schuss nach hinten los. Das Preisgeld bei den großen Tennisveranstaltungen auf dem alten Kontinent wird seit Jahresbeginn nicht mehr in Dollar, sondern in Euro ausgezahlt. Just in einer Phase, in der der Greenback schwächelt und es nach alter Rechnung einen hübschen Währungsgewinn gegeben hätte.

HB DÜSSELDORF. Auch beim Düsseldorfer Rochusclub, Gastgeber des am Sonntag beginnenden Arag World Team Cup, beobachtete man zuletzt mit Interesse die Entwicklung an den Devisenmärkten. "Die Umstellung ist genau im falschen Jahr vorgenommen geworden", bedauert Turnierleiter Horst Klosterkemper. Zumal es den einen oder anderen international agierenden Sponsor gibt, der seine Verträge auf Dollarbasis abschließt. Versicherungen gegen Währungsrisiken hat der Rochusclub allerdings nie abgeschlossen. "Wir werden dennoch auch diesmal eine schwarze Null schreiben", betont Klosterkemper. Er und seine Mitstreiter sind traditionell stolz darauf, dass man ohne öffentliche Mittel auskommt, unverändert moderate Preise anbietet und seit Jahren der Tennis-Baisse trotzt.

Spätestens bei diesem Begriff widerspricht Klosterkemper: "Tennis ist nicht krank. Der deutsche Verband hatte 85 Jahre keinen Wimbledonsieger, und niemand sprach von Krise. Dann hatten wir Wimbledonsieger, sie sind abgetreten, und plötzlich sollen wir eine Krise haben." Obwohl der stellvertretende Geschäftsführer der Messe Düsseldorf mit Verve versucht, dem Abgesang auf seine Sportart entgegenzutreten, weiß er dennoch um gewisse Abschwächungstendenzen. Und um die Fehler des finanziell angeschlagenen Deutschen Tennis-Bundes: "Wenn man ein paar schlechte Jahre nicht überstehen kann, hat man schwerwiegende Managementfehler gemacht."

Zuschauerzahlen sind seit Jahren konstant

Der Rochusclub istmit der Mannschafts-Weltmeisterschaft weitaus weniger abhängig von einzelnen prominenten Tennis-Köpfen als der Verband und auch als herkömmliche Turniere. Die Zuschauerzahlen sind seit Jahren konstant gut, und beim Thema Sponsoring kann man sich auf erstaunlich treue Geldgeber verlassen. Die Arag hat den laufenden Vertrag als Titelsponsor bereits bis 2007 verlängert, nachdem auch die Vorgänger Peugeot (1987 bis 1999) und L?Oreal (1978 bis 1986) Langzeitunterstützer waren. Mit Siemens, der Rheinischen Post und Coca-Cola (mit zweijähriger Unterbrechung) gibt es zudem Hauptsponsoren, die schon bei der Erstauflage der WM vor 25 Jahren dabei waren.

Turnierdirektor Dietloff von Arnim, der im richtigen Leben eine Werbeagentur betreibt, hat jedoch feststellen müssen, dass es bei der Akquise Vorbehalte gegen die Sportart geben kann. "Wenn wir mit dem Thema Tennis kommen, haben wir manchmal ein Problem. Wenn wir dagegen das Produkt Rochusclub anbieten, nicht mehr." Klosterkemper, der unermüdliche Anti-Krisen-Redner, kann viele seiner stöhnenden Kollegen bei anderen Turniern ohnehin nicht verstehen: "Auf europäische Ebene sind die Deutschen die einzigen, die jammern."

Dabei denkt er wohl mehr an die Problemfälle Hamburg und Berlin und weniger an die Gerry Weber Open im ostwestfälischen Halle, die im Juni als Rasen-Event eine Ausnahmestellung einnehmen. "Vorher war mir diesmal etwas mulmig, doch fast alle Sponsoren sind wieder dabei", sagt Marketingleiter Horst Erpenbeck. Für Modezar und Turnierveranstalter Gerhard Weber steht fest, dass die Fernsehpräsenz entscheidend für den Vermarktungserfolg ist: "Solange man mit einfachen Gameshows oder Gerichtssendungen höhere Quoten als mit Sport erzielt, ist es schon eine Auszeichnung, dass das ZDF aus Halle überträgt."

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