Wie der FC Bayern versucht, das unansehliche 0:0 bei Celtic Glasgow als Wende zu einer großartigen Saison zu verkaufen
Der herbeigeredete Aufschwung

Niemand wird Uli Hoeneß eine besondere Nähe zur amtierenden Bundesregierung nachsagen können, doch am späten Dienstagabend drängte sich der Eindruck kurzzeitig auf. So nachhaltig sprach der Manager von Bayern München vom nahenden Aufschwung, dass man ihm unterstellen mochte, er habe gemeinsam mit Gerhard Schröder einen Kurs in Öffentlichkeitsarbeit besucht.

"Ich bin total begeistert von der Mannschaft, vor allem im kämpferischen Bereich lässt diese Leistung sehr große Hoffnungen wachsen für die Champions League, für die nächsten Spiele in der Meisterschaft", sagte Hoeneß in Einklang mit entschlossener Mimik und Gestik, und im übrigen, so glaube er, sei "jetzt der Geist der Mannschaft wieder da - dieses Spiel hat die Mannschaft gebraucht."

Die formvollendete Zuversichtsrhetorik war mit das Auffälligste am Auftritt der Bayern in Glasgow, geschlossen wurde sie nach dem unansehnlichen 0:0 bei Celtic von den führenden Klubangestellten bemüht. Wer anstelle des Spiels nur die Kommentare mitbekam, konnte leicht davon ausgehen, es habe eine Münchner Gala stattgefunden im Celtic Park. Und auch wenn das allenfalls im Hinblick auf das kämpferische Engagement in der zweiten Halbzeit ansatzweise zutraf, wäre es fahrlässig gewesen, die Gelegenheit auszulassen. Die Bayern nutzten bei ihrer Nachlese die Gunst der Tabellenkonstellation, die ihnen - obwohl Letzter mit 6 Punkten hinter Glasgow, Lyon und Anderlecht (je 7) - bei einem Heimsieg im abschließenden Vorrundenspiel gegen Anderlecht ein Weiterkommen garantiert. Eilig jazzten Hoeneß & Co. das Match zum famosen Schlüsselspiel hoch, das die Wende bedeuten solle in dieser bislang eher missglückten Saison.

"Wir verstehen es eben immer, in Krisen unsere Kräfte zu bündeln. Wir wissen, was wir zu tun haben, wenn es schwierig wird", gab Oliver Kahn mit stechendem Blick die FC-bayerische Version von Franz Müntefering: "Wir haben das in den letzten Jahren immer wieder geschafft." Dann fügte Kahn an: "Wenn wir jetzt ruhig bleiben und daran anknüpfen daheim gegen Anderlecht, dann ist alles möglich in dieser Saison", und für den Fall, dass ihn jemand nicht genau verstanden habe, buchstabierte er seinen Gedanken aus: "Dann sind alle drei Titel möglich." Es klang ähnlich vermessen, als plante die SPD mit einer baldigen Zwei-Drittel-Mehrheit im Bundestag.

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