Wie die Immissionsschutzverordnung die Buderus-Aktie anfeuern könnte
Wohlig-warme Zeiten für den deutschen Heizungsbau

Die Uhr tickt. Spätestens am 1.11. 2004 dürfte auf etliche Häuslebesitzer eine größere Investition zukommen.

FRANKFURT/M. Dann nämlich greift die 1. Bundesimmissionsschutzverordnung (BimmSchV) in ihrer schärfsten Form. Die Konsequenz: Heizungsanlagen aus den frühen Achtzigern oder noch ältere Modelle werden vor den gestrengen Augen der Kaminkehrer keine Gnade mehr finden und ersetzt werden müssen.

11 % darf der Abgasverlustgrenzwert maximal bis 4-25 KW-Anlagen sein, 10 % bei 25-50 KW-Anlagen. Anforderungen, denen 20 oder mehr Jahre alte Brenner und Kessel weitgehend chancenlos gegenüberstehen. 8 000 Euro sind so das Minimum, mit dem Eigenheimbesitzer rechnen müssen. Dem deutschen Heizungsbau stehen also goldene Zeiten ins Haus.

Was das alles mit der Börse zu tun hat? Eine Menge: Schließlich ist der deutsche Marktführer Buderus im M-Dax notiert und soll es nach dem vorläufigen Szenario der Deutschen Börse auch nach der Indexumstellung sein. Zwar ist Buderus auch noch in den Bereichen Guss und Edelstahl tätig. Die Heiztechnik- Sparte trägt jedoch gut zwei Drittel zum Gesamtumsatz bei.

Zweifellos ist Buderus zeitgemäß aufgestellt. Neben den klassischen Varianten mit Öl und Gas hat das Wetzlarer Unternehmen auch Solartechnik und Holzheizkessel im Programm. Das Heizen mit Stückholz oder gepresstem, stark getrocknetem Restholz - so genannten Holzpellets - ist ein Trend, der in den letzten Jahren vor allem aus Österreich nach Deutschland schwappte und hier zu Lande längst den Exotenstatus hinter sich gelassen hat. Mit Öl, Gas oder Holz zu heizen ist zwar für viele Hausbesitzer weiterhin eine Glaubenssache, Tatsache ist jedoch, dass - egal bei welcher Befeuerungsart - die Umwelt mit neuer Brenntechnik weitaus weniger leidet als bisher.

Wer nun auf Grund der Gesetzeslage bei Buderus mit einer steigenden Nachfrage im kommenden Jahr und einem Boom 2004 rechnet, anschließend aber einen Einbruch des Geschäfts befürchtet, der sollte im Gesetz weiterlesen: Denn spätestens ab Ende 2006 droht Öl- oder Gaskesseln das Ende, die zwar die strengen Abgas-Vorschriften ab 2004 schafften, aber vor dem 1. Oktober 1978 in Betrieb genommen wurden. Knapp 2 Millionen Heizkessel dürften nach Schätzungen der Schornsteinfegerinnung in Deutschland davon betroffen sein. Es gibt also viel zu erneuern.

Ein weiteres Argument rückt die Aktie immer wieder in den Blickpunkt der Anleger: Übernahmephantasie. Lange Zeit sah es im ersten Halbjahr so aus, als würde Bosch die Wetzlarer übernehmen. Die Aktie hielt sich auf einem Niveau von 28 Euro. Erst als sich die Pläne zerschlugen und zudem ein verhaltener Ausblick für 2002 präsentiert wurde, ging es bis auf ein Niveau um 18 Euro bergab. Eine Umsatzrendite vor Ertragssteuern von knapp 10 % scheint jedoch wie im Vorjahr möglich. Zudem könnte es nach Analystenmeinung schon bald wieder zu Übernahmephantasien kommen, da die Großaktionäre Buderus nur noch als Finanzinstrument sehen.

Nun stellt sich natürlich noch die Frage, warum an dieser Stelle nur von Buderus und keinem der ebenfalls gut positionierten deutschen Wettbewerber die Rede ist. Die Lösung: Die Konkurrenz wie Viessmann, Broetje oder Weishaupt ist nicht börsennotiert, deswegen zumindest als Anlage keine Alternative.

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