"Wie ein Blitz getroffen"
Super-Ingo gibt Freundin den Laufpass

Am Abend rannte Ingo Schultz allen Gegnern davon, in der Nacht gab er seiner Freundin Antje Buschschulte den Laufpass. Das neue Traumpaar des deutschen Sports hat sich während der Leichtathletik-Europameisterschaften in München völlig überraschend getrennt.

dpa/HB MÜNCHEN. "Ingo hat mir um zwei Uhr nachts erklärt, dass unsere Beziehung beendet ist", sagte die mehrfache Schwimm-Europameisterin am Freitag der dpa und machte kein Hehl aus ihrem Liebeskummer: "Es hat mich wie der Blitz getroffen."

Von wem war die rote Rose, die der 400-m-Europameister nach seinem Triumphlauf bekam? Schultz hatte auf diese Frage lächelnd mit den Schultern gezuckt. Mit schweren Schritten, langsam wie ein Hobbyjogger, ohne Ehrgeiz: So lief er die 400 m - auf der Ehrenrunde. "Das war das erste 800-Meter-Rennen meiner Karriere", scherzte der euphorisch gefeierte 2,01-Meter-Mann. Die Begeisterungsstürme genoss der 27-Jährige in vollen Zügen. Vor zwei Jahren kannten nur Insider den Viertelmeiler, jetzt stand er ganz oben auf dem Treppchen. "Da fällt der Druck so von einem ab und man darf es genießen. Das ist einfach ein unbeschreibliches Gefühl", schwärmte Schultz.

Antje Buschschulte, die er vor knapp einem Jahr beim "Club der Besten" auf Fuerteventura kennen gelernt hatte, fiel ihm nach dem Rennen um den Hals. Vor laufenden Fernsehkameras küsste sie den Modellathleten - nicht ahnend, dass es fünf Stunden später vorbei sein würde.

Der neue Star hatte den Rummel um seine Person ("Meine Schultern sind ja breit genug") erstaunlich gut verkraftet. Umso mehr überraschte diese Nachricht das deutsche Team. Antje Buschschulte hatte auf der Tribüne des Olympiastadions mit Schultz noch gezittert: "Hoffentlich wird er nicht Vierter." Daran, sagte er später, habe er nie gedacht. Und auch seine Disziplinkollegin Grit Breuer, mit der er am Nachmittag vor dem Rennen im Athletendorf noch einen Kaffee getrunken hatte, war sich sicher: "Der ist so cool, der braucht keine Tipps. Ich wusste, dass er gewinnt." Am Ende musste Schultz jedoch ganz schön kämpfen, um seine Konkurrenten auf Distanz zu halten. "Es war ziemlich hart. Ich war froh, als ich im Ziel war", meinte der 1,1-Abiturient, der zur Zeit im Fach Elektrotechnik seine Doktorarbeit schreibt. Nach seinem überraschenden Vize-Weltmeister-Titel im vergangenen Jahr in Edmonton hat der für die LG Olympia Dortmund startende Hamburger sein Meisterstück gemacht.

"Es ist ein Riesenunterschied, ob man als Zweiter oder als Erster durchs Ziel läuft", verglich Schultz seine beiden großen Erfolge. "Von der Leistung her ist die Silbermedaille vielleicht höher einzuschätzen. Aber diese Goldmedaille gibt mir sehr viel. Es war fantastisch." Früher oder später sollen der deutsche und der Europa-Rekord fallen. Die hält seit 1987 der Chemnitzer Thomas Schönlebe mit 44,33 Sekunden. "Man kann sich nicht in den Block setzen und das planen", erklärte Schultz (Bestleistung: 44,66).

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