Wie ein Schwamm saugen die Märkte negative Meldungen und Gerüchte auf
Explosives Gemisch

Überbewertete High-Tech-Aktien, hohe Ölpreise und extreme Währungsrelationen - ein explosives Gemisch. In den USA erschwert ein starker Dollar die Exporte. In Europa schürt der schwache Euro Inflationsängste. So viele Unwägbarkeiten sind dem Anleger zu viel. Er reagiert mit Verkäufen der Werte, die ihm die höchsten Gewinne eingebracht haben: Internet-, Medien- und Telekommunikationsaktien.

Gewinn- und Umsatzwarnungen renommierter Branchengrößen wie Apple, Dell, Intel und Nokia liefern fundamentale Gründe, den Anteil hoch bewerteter High-Tech-Aktien im Depot zu verringern. Charttechnisch wurden zudem wichtige Unterstützungslinien im amerikanischen Nasdaq - und im deutschen Neuer-Markt-Index nach unten durchbrochen. Viele Anleger stoßen nun Aktien in der Erwartung ab, dass die Kurse noch weiter einbrechen. Alle wichtigen Börsen notieren inzwischen unter oder nahe den Schlussständen von 1999. Psychologisch verstärkt das saisonale Muster den Verkaufsdruck. Seit jeher sind der Sommer und Frühherbst schlechte Börsenzeiten. Vor diesem Hintergrund verkaufen Investoren im Zweifelsfall lieber - und die Börsenweisheit vom schlechten Oktober bestätigt sich erneut.

Allein die Sichtweise entscheidet

Doch es gibt Lichtblicke. Oft entscheidet allein die Sichtweise über schlechte oder gute Stimmung. So lassen sich der schwache Euro und der hohe Ölpreis auch positiv für die Börse interpretieren. Das teure Öl erfüllt den lang gehegten Wunsch nach einer Abkühlung der heißgelaufenen US-Konjunktur. Der Euro hilft, die boomende Exportwirtschaft in Euro-Land weiter anzukurbeln. Auch die Unternehmenszahlen geben Anlass zur Hoffnung. Angesichts des dramatischen Kursrutsches der meisten Technologieaktien relativieren sich die hohen Bewertungen vieler Firmen. Das in historischer Sicht viel zu hohe Kurs-Gewinn-Verhältnis hat sich bei den gebeutelten Internet-, Software- und Telekommunikationswerten inzwischen halbiert. Die Bewertungen sind immer noch hoch, aber eben deutlich niedriger als in den Euphoriemonaten vor Beginn des Abschwungs im März.

Negative Faktoren wurden durch die Börse hinreichend berücksichtigt

Es gibt noch mehr Lichtblicke. Seit Wochen sind die negativen Faktoren bekannt, und die Börse hat sie hinreichend berücksichtigt. Aus Mangel an neuen Hiobsbotschaften greift der Markt nun auf Gerüchte zurück. Sie bewegen inzwischen - ebenso wie in den letzten Zügen einer Euphoriephase - den Markt stärker als (fehlende) Nachrichten. So bricht der Kurs des Börsengiganten Cisco ein, ohne dass eine Verlangsamung des Wachstums erkennbar ist. Allein die Phantasie, dass es nicht immer so gut weitergehen könnte, führt zum Kurssturz. Oder Oracle: Die Softwareaktie verliert wegen einer angeblich bevorstehenden Gewinnwarnung und Abstufung gut 15 Prozent an Wert - trotz des Dementis des Unternehmens und der Investmentbanken.

Der Zeitpunkt zum Einstieg ist nicht mehr weit

Die Stimmung ist schlecht. Wie ein Schwamm saugt der Markt negative Meldungen oder Gerüchte auf und ignoriert wichtige Indikatoren wie die nachlassende Inflationsgefahr und den anhaltenden Wirtschaftsboom in den USA, den Aufschwung in Euro-Land und die guten Perspektiven vieler High-Tech-Unternehmen. Damit ist der wichtigste Hoffnungsschimmer ausgemacht. Wenn die Stimmung so dunkel ist, dass Investoren die Lichtblicke nicht mehr sehen, ist der Zeitpunkt zum Einstieg nicht mehr weit. Denn wenn die Mehrheit auf Liquidität und nicht mehr auf Aktien sitzt, steigt auch wieder das Kaufinteresse.

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