Wie entwickelt sich die Konjunktur?
Analyse: Ohne Gewinne kein Gewinn

In der Politik stellt sich die große K-Frage: Wer wird Kanzler? Unternehmer und Anleger haben eine andere K-Frage: Wie entwickelt sich die Konjunktur? Quartalzahlen, Institutsschätzungen, Prozente, obskure volkswirtschaftliche Kennzahlen - dies alles hat inzwischen enormen Unterhaltungswert.

In der Politik stellt sich die große K-Frage: Wer wird Kanzler? Unternehmer und Anleger haben eine andere K-Frage: Wie entwickelt sich die Konjunktur? Quartalzahlen, Institutsschätzungen, Prozente, obskure volkswirtschaftliche Kennzahlen - dies alles hat inzwischen enormen Unterhaltungswert bekommen. Sogar neue Modewörter wie "Double Dip" - für ein zweimaliges Abtauchen der Konjunktur in kurzem Abstand - haben sich eingebürgert.

Das neu erwachte Interesse für ein zunächst eher trockenes Thema ist nicht überraschend: Beinahe alle Prognosen, ob für einzelne Märkte oder für Börsensegmente, stehen unter dem Vorbehalt "wenn die Konjunktur im zweiten Halbjahr anspringt". Was im Umkehrschluss heißt, dass die meisten Prognosen völlig daneben liegen, falls die Konjunktur nicht anspringt.

Widersprüchliche Signale

Die Signale dieser Woche sind widersprüchlich. Die Umfrage des Ifo-Instituts erbrachte einen überraschend großen Optimismus der Unternehmer. Die Überraschung ist allerdings relativ: Der Index hat immer noch nicht den Wert des vergangenen August erreicht, als von einer überschäumenden Stimmung auch keine Rede sein konnte. Außerdem stützen sich die Erwartungen - typisch für Deutschland - überwiegend auf den Export. Letztlich sind die deutschen Unternehmer optimistisch, dass sich die Konjunktur in den USA erholt - also ein abgeleiteter Effekt. Doch in den USA selbst sind die Signale alles andere als eindeutig. Der Index für das US-Verbrauchervertrauen, der ebenfalls in dieser Woche veröffentlicht wurde, hat die Märkte enttäuscht. Und Alan Greenspan, der amerikanische Notenbank-Chef, hat mit seiner Rede am Mittwoch allenfalls gedämpfte Zuversicht verbreitet.

Aus Anlegersicht stellt sich aber die Frage: Was geschieht eigentlich, wenn der Aufschwung wie erwartet einsetzt? Nachdem jetzt schon so viel davon geredet wurde, dürfte der Aufschwung zu einem erheblichen Teil bereits in den Kursen eingearbeitet sein. Es ist also nur wenig zusätzlicher Schub zu erwarten, wenn er dann kommt. Auch von der Zinsseite her ist keine Unterstützung zu erhoffen. Je nach Stärke des Aufschwungs dürfte zumindest in den USA die Notenbank auch wieder die Zinsen erhöhen. Dieser Schritt ist bestenfalls auch schon in den Kursen enthalten - wenn nicht, wirkt er sich negativ auf die Börse aus.

Das Grundproblem ist, dass die Aktien trotz der Zurückhaltung vieler Anleger und den Ängsten, die der Zusammenbruch des Enron-Konzerns in den USA ausgelöst hat, nicht wirklich billig geworden sind, sondern allenfalls angemessen bewertet. Das gilt vor allem für die Tech-Werte, in deren Bewertung wohl immer noch die Erinnerung an alte Höchststände einfließt. Für einen neuen Börsenaufschwung spricht allenfalls, dass viele Anleger auf hohen Bargeldbeständen sitzen und auf das Signal zum Einstieg warten. Aber selbst, wenn sich die Stimmung so aufhellt, dass dieses Geld in die Aktienmärkte fließt, bleibt fraglich, ob daraus ein dauerhafter Kursauftrieb entsteht. Denn Geld - oder "Liquidität", wie die Börsianer sagen - allein kann allenfalls eine Kursblase produzieren, aber noch keine tragfähige Entwicklung in Gang setzen. Dazu wäre notwendig, dass auch die Gewinne der Unternehmen deutlich steigen, damit auf diese Weise die Aktien von der Bewertung her einen Aufschwung tragen können.

Mit steigenden Erträgen ist aber erst dann zu rechnen, wenn der konjunkturelle Aufschwung wirklich messbar bei den Unternehmen angekommen ist. Gerade im Bereich der Tech-Werte kann dies noch eine Weile dauern. Denn dort spielen spezielle Themen - etwa die Einführung des UMTS-Mobilfunkstandards - eine besondere Rolle. Anleger sollten also einstweilen eher mit einer Seitwärtsbewegung rechnen und weiterhin auf günstig bewertete Aktien setzen.

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