Wie es bei den Demokraten weitergeht
Eine Frage der Mathematik

In Kentucky hat Hillary Clinton erneut gezeigt, welche großen Stärken sie hat. Sie kann kämpfen und sie kann zentrale Wählergruppen für sich gewinnen. Doch am Ende des langen Wahlabends hatte Barack Obama einmal mehr die Mathematik auf seiner Seite. Und zum eigentlichen Showdown kommt es sowieso erst am 31. Mai.

WASHINGTON. Er mag erneut in einem Bundesstaat hoch gegen seine Konkurrentin verloren haben – doch selbst das reichte noch, um ihn bei der Delegiertenzahl über die Schwelle der Mehrheit zu heben. Bei den gewählten Delegierten hatte Obama schon nach dem eigentlich für ihn verheerenden Wahlergebnis von Kentucky genügend Stimmen zusammen, um de facto uneinholbar zu sein. Da bedurfte es nicht einmal mehr seines Sieges in Oregon.

De facto, jedoch nicht de jure. Denn der eigentliche Showdown wird sich nicht in Puerto Rico, South Dakota oder Montana abspielen, den verbleibenden Stationen der Vorwahlen. Die wirklich wichtige Frage wird am 31. Mai in Washington entschieden, wenn dort das Wahlkomitee der Demokratischen Partei zusammentritt. Dieses Gremium wird darüber beraten, wie mit den beiden Bundesstaaten Florida und Michigan verfahren werden soll. Sollte das Parteikomitee zu dem Ergebnis gelangen, dass es dort keine Nachwahlen gibt und dass die – unregulären - Wahlergebnisse nicht gewertet werden, dann ist das Rennen für Hillary Clinton endgültig gelaufen. Auch wenn die letzten Wahlen 100prozentige Mehrheiten für Clinton bringen sollten.

Nein – auch Kentucky und Oregon gestern Abend zeigten weitgehend das übliche Bild: Obama gewinnt bei den gut ausgebildeten und jugendlichen Amerikanern, Hillary bei den Arbeitern. Erneut konnte Obama keine Schneise in die Hillary-Wählerschaft schlagen. Umgekehrt gelang dies der Senatorin aus New York allerdings auch nicht. Zum Ende der demokratischen Konkurrenz präsentiert sich damit zwar ein ziemlich ausgeglichenes Bild. Doch Obama hatte zuvor schon seine Vorteile ausgespielt. Und Hillarys Aufholjagd hat schlichtweg viel zu spät eingesetzt. Sollte am 31. Mai nicht noch eine Überraschung geschehen, dann ist Obama Meister, und Hillary bleibt nur der zweite Platz. Das ist bitter – aber so funktioniert das Spiel.

Tatsächlich gilt es in der Demokratischen Partei jetzt nach vorne zu blicken, geht es darum, wie Obamas Schwächen kompensiert werden können. Dabei dürfte eine zentrale Rolle spielen, wen Obama als Vizepräsidenten auf das Ticket hebt oder wen er in ein potenzielles Schattenkabinett berufen könnte. Und dabei spielt Hillary Clinton noch immer eine ganz entscheidende Rolle. Zwar nicht so sehr als mögliche Kandidatin für das Amt der Vizepräsidentin. Jedoch als Unterstützerin für den Kandidaten der Demokratischen Partei. Der Einfluss der Clintons ist nach wie vor immens – und auch deren Störpotenzial. Auch nach einem Sieg über Hillary geht gegen die Clintons nichts, oder zumindest nicht viel.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
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