„Wie fährt mein Teenager?“
Eltern spionieren auf der Straße

Von dem knallroten Aufkleber an der Stoßstange ihres Autos ist die 17-jährige Kalifornierin Jennifer Howard nicht gerade begeistert.

dpa SUNNYVALE. Proteste der Schülerin nutzten wenig. Ihr Vater, Russell Howard, besteht auf dem Sticker mit der Aufschrift "How's My Teen Driving?" - zu Deutsch: "Wie fährt mein Teenager?". Darunter sind deutlich die Ziffern einer gebührenfreien Telefonnummer zu lesen. Der Polizeibeamte im kalifornischen Sunnyvale will seine Tochter damit nicht ärgern. "Ich hoffe, dass sie vorsichtiger fährt und am Steuer keine Dummheiten macht", meint der besorgte Vater.

Immer mehr amerikanische Eltern versuchen durch Telefon-Hotlines ihre Teenager am Steuer im Auge zu behalten. Wer die jungen Autofahrer beim Rasen, Ampeln überfahren oder anderen brenzligen Manövern beobachtet, ruft einfach die gebührenfreie Nummer an und wird dort seine Beschwerde los. Natürlich müssen die "Spione" das Kennzeichen und eine möglichst genaue Beschreibung des Vorfalls abgeben. Dies wird vertraulich an die Eltern vermittelt, die dann ihre Sprösslinge belehren, bestrafen oder belohnen können.

Es werden aber nicht nur Vergehen, sondern auch lobende Worte über junge Fahrer weitergegeben. Bei mindestens zwölf Hotlines, die meisten davon in Kalifornien, laufen bereits die Drähte heiß. Schließlich darf man in den USA schon mit 16 Jahren den Führerschein machen. Die Unfall-Zahlen sind hoch. Nach der letzten Statistik aus dem Jahr 2000 sind Autounfälle die Haupttodesursache bei den 15- bis 20-Jährigen. Knapp 3 600 jugendliche Fahrer kamen ums Leben, 388 000 wurden verletzt.

Vor einem Jahr startete Russell Howard, Vater von zwei Töchtern, seinen eigenen "Überwachungsservice". Rund 100 Eltern, die im Jahr umgerechnet 50 Euro zahlen, erhalten dafür kostenlose Auto-Aufkleber und wertvolle Informationen über die Fahrfehler ihrer Kinder. Meistens rufen Autofahrer von ihrem Handy aus an, wenn sie einen Teenager auf frischer Tat ertappt haben, berichtet Howard. Die meisten ärgern sich über zu schnelles Fahren und die Missachtung von Ampeln und Stopp-Schildern. Gelegentlich gehen bei den Hotlines auch Beschwerden über Marihuana-Rauchen am Steuer, rüpelhaftes Benehmen und obszöne Gesten ein.

Beschwerden über die eigene Tochter musste Howard noch nicht entgegennehmen. Sie fahre vernünftig, wohl auch aus Angst, erwischt zu werden und von den Eltern Fahrverbot zu erhalten. Doch häufig sind die rebellierenden Teenager daran schuld, dass die Kontrolle nicht funktioniert. Einige Hotline-Betreiber gaben bereits auf, weil die Jugendlichen die Aufkleber entfernten oder die Telefonnummer überklebten. Viele Jugendliche lehnen die Spionagearbeit der Eltern ab, teils aus Angst, von ihren Freunden aufgezogen zu werden, teils aus Sorge vor möglichen Strafen.

Die Sticker-Idee ist nicht neu. Rund zwei Millionen Lastwagenfahrer in den USA werden von ihren Arbeitgebern mit ähnlichen Kampagnen überwacht. Gehen zu viele Beschwerden ein, kann das den Job kosten. Russell Howard ist es wichtig, die jugendlichen Fahrer zur Vorsicht zu mahnen. Als Polizist habe er zu viele Unfälle gesehen - so rechtfertigt er die Überwachung.

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