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Wie fühlt man sich eigentlich, Herr Fuchs....

...wenn man 30 000 Ingenieure vertritt, die wegen ihres Alters keinen Job mehr bekommen, obwohl gleichzeitig ein Ingenieurmangel beklagt wird?

...wenn man 30 000 Ingenieure vertritt, die wegen ihres Alters keinen Job mehr bekommen, obwohl gleichzeitig ein Ingenieurmangel beklagt wird?

"Mich berührt das Problem sehr, zumal ich einige solcher älterer Ingenieure ohne Anstellung kenne. Besonders ärgert mich, dass durch die nicht genutzte Kompetenz der arbeitssuchenden Ingenieure jenseits der 40 jeden Tag wichtiges Potenzial verschenkt wird. Ich kann zwar keine Arbeitsplätze schaffen, aber glücklicherweise auf Grund meiner Position vielen eine Hilfestellung geben über Weiterbildung, Karriereberatung oder dem Ingenieurhilfe e.V. Die hohe Anzahl älterer arbeitsloser Ingenieure beruht auf einer sich seit Jahren vollziehenden gesellschaftlichen Entwicklung, die lange von Politik und von Wirtschaft mitgetragen wurde.

Neben dem gängigen Vorurteil, ältere Arbeitnehmer seien zu teuer, ist der so genannte Jugendwahn mit seinem Credo: "Hauptsache jung und dynamisch" unverkennbar. Dabei ist der perfekte Ingenieur jung, diplomiert, besser noch promoviert und trotz der jungen Jahre berufserfahren. Die älteren Ingenieure werden dabei auf dem Arbeitsmarkt zunehmend uninteressanter. Und das betrifft ja leider nicht nur Ingenieure, sondern auch viele andere akademische Berufe. Eigentlich ist die Situation geradezu paradox, denn schließlich wird man doch heute immer älter und soll mit Vierzig schon vom Arbeitsmarkt ausgegrenzt sein? Das ist eine erstaunliche Entwicklung, die ich nicht nachvollziehen kann.

Die Frage stellte Claudia Tödtmann.

* Willi Fuchs ist Direktor des Vereins Deutscher Ingenieure. In Deutschland gibt es rund eine Million Ingenieure, von denen 65 000 arbeitslos sind.

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