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Wie fühlt man sich eigentlich, Herr Schüller...

... wenn man als Arzt heute gezwungen wird, 40 Prozent seiner Arbeitszeit mit Verwaltungsarbeiten für Krankenkassen und Verwaltung zu verbringen statt mit Patienten und deren Behandlung?

... wenn man als Arzt heute gezwungen wird, 40 Prozent seiner Arbeitszeit mit Verwaltungsarbeiten für Krankenkassen und Verwaltung zu verbringen statt mit Patienten und deren Behandlung?

"Ich fühle mich oft frustriert durch eine Bürokratie, die niemandem nützt. Besonders schlimm ist es an den ersten Tagen des Quartals: Dann stehen meine Patienten Schlange für Überweisungen zu Fachärzten, und ich unterschreibe an einem Tag bis zu 200 Überweisungsformulare. Ob das in jedem Fall sinnvoll ist, kann ich gar nicht überprüfen. Denn dann hätte ich keine Zeit mehr für die anderen Patienten, die an diesen Tagen mit einem akuten Leiden kommen. Viele meiner Patienten schimpfen, wenn sie lange auf Überweisungen und andere Formulare warten müssen. Und mich macht es wütend, dass die Bürokratie das Verhältnis zwischen dem Arzt und seinen Patienten belastet. Gerade guten Ärzten macht ihr Beruf keinen Spaß mehr, weil sie immer mehr reglementiert werden. Als ich mich entschieden habe, Arzt zu werden, hatte ich mir das anders vorgestellt. Ich wollte Menschen behandeln, nicht in dicken Büchern nach Schlüssel-Codes für eine Diagnose suchen. Das kostet schließlich auch die Zeit der Patienten. Besonders ärgerlich ist, dass die Bürokratie immer weiter wächst. Seit einigen Wochen gibt es neue Formulare für die Verordnung von Krankentransporten. Da muss ich auf einer eng bedruckten DIN-A-5-Seite bis zu 50 Angaben prüfen, bevor ein Patient ins Krankenhaus gebracht werden kann. Der Patient wird immer mündiger - und der Arzt wird immer mehr bevormundet."

Die Frage stellte Christoph Hus.

* Studien wie die des Deutschen Krankenhausinstituts belegen, dass Ärzte - auch an Kliniken - einen Großteil ihrer Arbeitszeit verschwenden, weil sie immer mehr Dokumentationspflichten erfüllen müssen.

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