Wie Fußballklubs in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nach neuen Finanzquellen suchen
Wenig Licht im Dunkeln

Transparenz ist nicht gerade das, was die Bundesliga auszeichnet. Der umstrittene Kirch-Vertrag des FC Bayern belegt das, ebenso wie die lange unbekannte Finanzmisere des 1. FC Kaiserslautern. Dass auch die DFL ahnungslos war, spricht nicht für den Ligaverband.

Wilfried Straub wollte aufräumen mit den Vorwürfen, die Fußball- Bundesliga sei eine Bühne, in der Schwarzgeldzahlungen, unsolides Finanzgebaren und Steuerhinterziehung an der Tagesordnung seien. Dann kam der Deal des FC Bayern München mit der Kirch-Gruppe ans Tageslicht und bereicherte die Liga um eine weitere Negativ-Schlagzeile.

Vorwürfe dieser Art sind für den Chef der Deutschen Fußball-Liga und seinem Geschäftsführer-Kollegen Christian Müller schmerzlich. "Dies vor allem deshalb, weil wir es besser wissen", sagt Müller dem Handelsblatt und verweist auf die Erfahrungen des Finanzamts für Groß- und Konzernbetriebsprüfung in Herne. Behördenchef Jochen Bienhold hat der DFL versichert, dass die Steuerehrlichkeit der Profiklubs durchaus vergleichbar sei mit anderen Branchen. Der Finanzamtsvorsteher weiß aber auch, dass in wirtschaftlichen Krisenzeiten die Unternehmen viel "steuergestaltende Phantasie" an den Tag legen.

Fest steht, dass die Bundesliga hochverschuldet ist. Auf bis zu 600 Millionen Euro summieren sich mittlerweile die Schulden der 36 Profiklubs. Straub und Müller wollen diesen Missstand auch dadurch beseitigen, dass die Lizenzvergabe künftig nur noch mit Auflagen erfolgt. Auf diese Weise will die DFL einen monatlichen Soll/Ist-Vergleich erreichen ( siehe Interview).

Damit soll verhindert werden, dass es zu weiteren bösen Überraschungen wie im Fall des mit 40 Millionen Euro verschuldeten 1. FC Kaiserslautern kommt. Auch Wilfried Straub und Christian Müller waren lange ahnungslos ob der finanziellen Schieflage. Beim Lizenzierungsverfahren vor der Saison wies die FCK-Bilanz nach ihren Angaben noch einen Cash-Flow von 4,5 Millionen Euro aus. "Auf das Testat eines Wirtschaftsprüfers müssen wir uns verlassen können", sagt Müller.

In wirtschaftlich schwieriger gewordenen Zeiten wundert es somit nicht, dass die Klubs über alternative Finanzierungsmöglichkeiten nachdenken, um die hohen Kosten zu decken. Einen gänzlich neuen Weg in Sachen Finanzierung ging Schalke 04. Der Traditionsverein bringt als erster Bundesligaverein eine Anleihe auf den Markt. Die Anleihe wird von britischen und amerikanischen Versicherungskonzernen gezeichnet. Darunter soll sich auch die American International Group befinden. Der Schuldendienst für die Anleihe, der zwischen acht und neun Millionen Euro jährlich betragen soll, wird aus den Zuschauereinnahmen geleistet. Schalke selbst kalkuliert mit Ticketerlösen pro Saison in Höhe von rund 15 Millionen Euro.

Eigentlich sollte die 85-Millionen- Euro-Überweisung längst auf dem Schalker Konto gelandet sein. Ist sie aber nicht. Josef Schnusenberg, Schalkes Finanzvorstand, beteuert, dass es keine Probleme mit den Partnern gibt. "Die wollen ihr Geld so schnell wie möglich loswerden", sagt der Steuerberater und gibt sich zuversichtlich, dass das Geld bis Ostern beim Verein landen wird. Schnusenberg denkt zudem an eine Anleihe für die gesamte Liga. An der Umsetzung der Bundesliga-Anleihe wird hinter den Kulissen angeblich schon gearbeitet. "Ziel dieses Projektes ist es, die Kluft zwischen armen und reichen Vereinen zu verringern", sagt der Finanzchef der Schalker.

Beim FC Bayern ist das Auflegen einer Anleihe kein Thema. "Wir haben genug Geld. Wieso sollen wir uns verschulden und Zinsen zahlen", fragte Karl-Heinz Rummenigge am Rande einer Veranstaltung mit Sponsor Audi. Der Vorstandschef der Bayern München AG betonte, dass es kein Problem sei, die fehlenden Einnahmen aus dem Vertrag mit Kirch zu kompensieren. Der Vertrag mit dem inzwischen insolventen Unternehmen war mit 150 Millionen Euro dotiert, wovon 21,5 Millionen Euro bereits überwiesen waren.

"Dann müssen eben die anderen Bereiche kreativ werden", sagte Rummenigge. Der Klub plant gemeinsam mit dem strategischen Partner Adidas-Salomon eine Werbe-Offensive in Asien. Die Sportartikelfirma hat zehn Prozent der Anteile an der FC Bayern AG übernommen und dafür im vergangenen Jahr 76,7 Millionen Euro in bar überwiesen. Das Geld verwendet der Klub ebenso wie die Einnahmen aus dem Werbevertrag mit der Allianz für den Bau des neuen Stadions. Von einem Börsengang hält Rummenigge nach wie vor nichts. Fußballvereine seien nicht gut an der Börse aufgehoben. "Unser oberstes Ziel ist nicht Gewinnmaximierung, sondern guten Fußball zu bieten", befand Rummenigge.

Beim einzigen börsennotierten Bundesliga-Klub Borussia Dortmund sieht man das anders. Der BVB hat seine Beteiligung am Westfalenstadion für 75,4 Millionen Euro an die Vermietungsgesellschaft Molsiris verkauft. Nach BVB-Angaben zahlt man nun jährlich 12,6 Millionen Euro an Molsiris, spart aber durch wegfallende Kapitaldienste und die erhöhten Einnahmen aus dem demnächst vergrößerten Stadion 16,2 Millionen pro Jahr. Macht einen Überschuss von 3,6 Millionen. Das komplizierte Vertragskonstrukt bereitete jedoch selbst Finanzexperten Probleme. Auch in diesem Fall gilt: Es gibt wenig Licht im Dunkeln.

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