Wie gefährlich ist das Duo?
Die Terror-Bruderschaft zwischen Abu Sayyaf und El Kaida

Zuerst gerieten noch die üblichen Verdächtigen ins Visier, dann eröffnete sich den philippinischen Ermittlern eine ganz andere Dimension des Verbrechens. Kurz nachdem am Sonntag eine Bombe in der südlichen Hafenstadt Zamboanga fünf Menschen in den Tod gerissen hatte, wähnten Fahnder alleine die militante Moslemgruppe Abu Sayyaf hinter dem Attentat - bis ein Festgenommener plauderte.

dpa MANILA/SINGAPUR. Mitglied einer 40-köpfigen Zelle von Osama bin Ladens Terrornetzwerks El Kaida sei er, offenbarte Marvin Johnson alias "Abdul" im Verhör. Schlimmer noch: Mehrere Terrorkommandos operieren nach seiner Aussage bereits in der Hauptstadt Manila.

Unklar bleibt, wie akut die Gefahr für die philippinische 10- Millionen-Metropole wirklich ist. Doch was die Fahnder in Abduls Versteck fanden, lässt Düsteres ahnen: Sprengstoff, elektronische Zünder, Bildnisse Bin Ladens und Pamphlete auf Arabisch. Drei Tage vor den verheerenden Terroranschlägen in den USA war den Behörden in Manila bereits ein Mann aus Oman ins Netz gegangen, als er die US- Botschaft filmte. Mangels Beweisen wurde er wieder auf freien Fuß gesetzt. Später fand sich sein Name auf der Passagierliste eines der entführten Flugzeuge in den USA, die zu tödlichen Geschossen wurden.

Dass El Kaidas langer Arm bis auf den asiatischen Inselstaat reicht, glauben amerikanische Terrorexperten seit langem. Seit Jahrzehnten tobt dort der Kampf moslemischer Separatistengruppen um einen eigenen islamischen Staat. Abu Sayyaf mit um die 1000 Mitgliedern kleinste und zugleich brutalste Organisation steht auf einer nach den Anschlägen in New York und Washington herausgegebenen US-Liste von Gruppen, die mit Bin Ladens Netzwerk Verbindungen haben sollen. Weltweit für Schlagzeilen hatten die Extremisten im vorigen Jahr durch die Entführung westlicher Touristen auf die Insel Jolo gesorgt, darunter drei Mitglieder der Göttinger Familie Wallert.

Es war der saudische Geschäftsmann Mohammed Jamal Khalifa, ein Schwager Osama bin Ladens, der nach Erkenntnissen der Ermittler zwischen 1986 und 1994 getarnt durch Stiftungen den Aufbau der Abu- Sayyaf-Gruppe finanzierte. Der Gründer der Organisation, der islamische Gelehrte Abdurajak Abubakar Janjalani, wurde in Libyen militärisch ausgebildet und kämpfte auch in Afghanistan. Wie die Taliban lehnte er Fernsehen und Tanz ab, beim Lachen durfte niemand seine Zähne zeigen. Abu Sayyaf ("Vater des Schwerts") war Janjalanis Kriegsname, bis er 1998 im Kugelhagel der Polizei starb.

Die philippinische Terrortruppe, verantwortlich für Dutzende Morde, Entführungen und Erpressungen, beherbergte zudem 1995 Ramzi Yousef, den inzwischen inhaftierten pakistanischen Drahtzieher des Anschlags auf das World Trade Center zwei Jahre zuvor. In dieser Zeit soll er Bombenattentate auf zwölf amerikanische Flugzeuge geplant haben, doch sei der mörderische Plan wieder verworfen worden.

Bislang biss sich Manila militärisch die Zähne an Abu Sayyaf aus, die seit Monaten neben anderen Geiseln ein amerikanisches Ehepaar in ihrer Gewalt halten. Erst kürzlich wurden die sterblichen Überreste eines dritten US-Bürgers gefunden, den die Extremisten geköpft hatten. Nun scheint Washington mit der Geduld am Ende. Vor wenigen Tagen landete eine Gruppe von amerikanischen Anti-Terror-Experten auf den Südphilippinen - für "logistische Unterstützung", wie es offiziell vage heißt. Ihre genaue Mission ist Verschlusssache.

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