Archiv
Wie gelangweilte Börsenhändler den Vatertag begehen

Reuters FRANKFURT. Die Arbeit an Christi Himmelfahrt schlug den Wertpapierhändlern auf dem Frankfurter Parkett zunächst gehörig auf die Stimmung. Während Gewerkschafter und Kirchen-Vertreter bei strahlendem Sonnenschein, Bier und Bratwürstchen vor dem Börsengebäude gegen den Feiertagshandel protestierten, standen sich die Händler drinnen die Beine in den Bauch. "Es ist todlangweilig", sagte Jörg Volkmann, Börsenmakler bei Concord Effekten. "Um uns die Zeit zu vertreiben, spielen wir 'Wer wird Millionär'?". Die Telefone seien nahezu stumm geblieben. Zu den wenigen Anrufern habe etwa eine Kollegin gezählt, die nachfragt habe, wer was zum Grillen haben wolle. "Der einzige Vorteil des Handels an einem Feiertag ist, dass man mit dem Auto morgens in die Stadt fahren kann, da es kaum Verkehr gibt", sagte Volkmann.

Seit vorigem Jahr gelten neben Christi Himmelfahrt auch Pfingstmontag, Fronleichnam sowie der Tag der Deutschen Einheit als Handelstage an der Frankfurter Börse. Aus Sicht der Deutschen Börse ist der Handel an diesen zusätzlichen Tagen als Erfolg zu werten. Vor allem Privatanleger könnten vom Geschäft profitieren, wird argumentiert.

"Den Privatanlegern bringt das überhaupt nichts, da heute der Umsatz extrem dünn ist und darunter auch die Preisqualität leidet", hielt Volkmann dem entgegen. Ein Börsenkollege pflichtete ihm bei: "Der Privatanleger kann von Glück reden, wenn er einen guten Preis bekommt." Der Umsatz beim Handel an einem Feiertag belaufe sich auf 15 bis 20 % dessen, was ein normaler Tag mit sich bringe. Zudem komme es auf Grund der geringen Transaktionszahl bereits dann zu signifikanten Kursausschlägen, wenn einzelne Investoren einmal aggressiver kaufen oder verkaufen wollten. "Wenn heute irgendeiner 'was bewegen will, wird ihm wohl keiner im Weg stehen", hieß es am Handelstisch einer Bank.

Die Stimmung unter den Händlern hellte sich gegen Nachmittag dann allerdings zunehmend auf, nachdem ein Büffet mit Kaffee, Kuchen und Brezeln eröffnet worden war. "Das Büffet hat die Kursmaklerkammer organisiert", sagte Börsenmakler Stefan Kelbel. "Von der Deutschen Börsen kommt da nichts. Die würden uns verhungern lassen", fügte er schmunzelnd hinzu. Bei einigen anderen Börsianern trug frisch gezapftes Bier zur besseren Laune bei. "In zwei bis drei Stunden kann man bestimmt die ersten Leute mit einem entsprechenden Alkoholpegel hier 'rumlaufen sehen", prognostizierte ein Makler.

Draußen baute derweil die etwa 50-köpfige Protestgemeinde ihre Stände ab. "Wir werden jetzt eine Stadttour machen, um zu zeigen, dass man den Tag besser nutzen kann, als am Computer zu sitzen und zu handeln", sagte ver.di-Gewerkschaftler Herbert Bayer, Sprecher des Bündnisses gegen Feiertagsarbeit. Er hoffe für die Börsianer im Handelssaal, dass sie "den Feiertag irgendwann 'mal so genießen können wie früher".

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%