Wie haltbar sind Gerichts-Shows?
Daily Talk legt den Rückwärtsgang ein

Die Einschaltquoten von "Richterin Barbara Salesch" (Sat.1), "Richter Alexander Hold" (auch Sat.1) und "Das Jugendgericht" (RTL) sind mit Marktanteilen von zum Teil mehr als 20 % für heutige Verhältnisse geradezu astronomisch hoch.

dpa HAMBURG. Doch eine Frage kann im Augenblick keine Experte richtig beantworten: Wird die Halbwertzeit des "Court TV" so groß sein wie die der täglichen Talkshows, die immerhin seit 1993 mehrere Jahre die Nachmittage im deutschen Fernsehen dominierten?

Möglicherweise nicht, denn die Laufzeiten der neuen TV-Formate werden immer kürzer. Der Quizboom beispielsweise ebbte mit Ausnahme von Günther Jauchs Flaggschiff "Wer wird Millionär?" schneller ab als von Sendern und Produzenten befürchtet. Zu einer gewissen Hoffnung gibt in einer Branche, die auf ständiger Suche nach Kontinuität ist, Barbara Salesch Anlass. Sie hält sich mit ihrer Show mittlerweile zwei Jahre lang bei Sat.1 und darf sich sogar über ständig steigende Quoten freuen. Bis Oktober erzielte sie in der Zielgruppe der werberelevanten Zuschauer zwischen 14 und 49 Jahren in diesem Jahr einen Marktanteil von 21,9 %.

Die Nachahmer sind inzwischen fieberhaft dabei, im Fahrwasser von Salesch zu punkten. Denn neben Alexander Hold und Ruth Herz, die ihre Urteile in "Das Jugendgericht" fällt, arbeiten viele Produzenten an ähnlichen Ideen. Nach einem Bericht des Branchenmagazins "kressreport" ist der holländische TV-Produzent Endemol - einer der größten im Fernsehgeschäft - dabei, die Show "Liebe vor Gericht" zu entwickeln. Nicht auszuschließen, dass diese Sendung beim Endemol-Hauptabnehmer RTL landet. Der sucht für Sonja Zietlows Quizshow "Der Schwächste fliegt", die aus dem Programm gekippt wird, noch einen Ersatz.

"Für die Talkshows, die bleiben, bedeutet die Reduzierung vielleicht die Chance, als Highlight-Programmierung da zu stehen", sagt ProSieben-Sprecherin Susanne Lang. Auf ihrem Sender müssen sich Andreas Türck und Nicole Noevers von ihren letzten Fans verabschieden. Sie sind jetzt auf der Suche nach neuen Betätigungsfeldern. Lediglich Arabella Kiesbauer, die keine Richter-Konkurrenz im Nacken hat, darf weiter plaudern.

Alternativen zu Gerichtsshows scheinen derzeit jedenfalls nicht in Sicht zu sein. Der Sat.1-Versuch, mit "Zwei bei Kalwass" eine Psycho- Show einzuführen, war bislang nicht von Erfolg geprägt. Der Sender wird vom Dezember an Schauspieler anstelle von echten Betroffenen in der Show einsetzen. ProSieben setzt für Türck "Absolut Schlegl" ein, eine Personality-Show mit Late-Night-Elementen am Nachmittag. Wer Noevers ersetzt, ist geheime Kommandosache: Auf jeden Fall keine Gerichtsshow, teilte der Sender mit.

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