Wie Indien und China in Davos um die Gunst der Investoren buhlen
Kampf um Köpfe

Kräftemessen im Schweizer Davos: Indien und China buhlen beim World Economic Forum um die Gunst der Investoren.

DAVOS. "India: The most attractive democracy for global investors." Wer am Flughafen Zürich-Kloten ankommt, wähnt sich bereits mitten in Asien. Denn der Reisende wird mit bunten Werbetafeln empfangen, die auch in Delhi, Mumbai oder Kalkutta stehen könnten. Die Botschaft scheint klar: Erstens ist Indien ein Land, in das man unbedingt investieren sollte. Und zweitens ist Indien eine Demokratie - anders als China. Welch gelungener Seitenhieb auf den Rivalen. Herzlich willkommen beim Kampf der beiden Giganten Indien und China um die Gunst der Investoren. Doch was denken die so Umworbenen über dieses Tauziehen? Eine Spurensuche bei der Wirtschaftselite auf dem World Economic Forum im Schweizer Davos.

Donnerstag, 17 Uhr, Hotel Maierhof, an der mondänen Promenade. Treffen mit Ralph Shrader, dem Weltchef der internationalen Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton.

Shrader, ein distinguierter Herr mit grauen Haaren, hat den Geist von Davos verinnerlicht. Shrader trägt einen groben Wollpulli zum offenen Hemd, bestellt sich lässig eine Cola.

Ja, er habe sowohl Erfahrungen in Indien gesammelt als auch in China. Früh dran war Booz Allen Hamilton in Indien. Vor über zehn Jahren eröffnete die Strategieberatung ein Büro in Mumbai. "Eine der wichtigsten Lektionen, die wir dort gelernt haben, war, dass die indische Privatwirt-schaft bei weitem nicht so reif ist, wie wir es uns erhofft hatten." Die Unternehmen suchten keine hochwertigen Beratungsleistungen. "Nein, es ging eher um Routinesachen, die wir nicht sinnvoll anbieten können."

Eines der Probleme war möglicherweise, dass Booz Allen Hamilton zunächst keine indischen Berater einsetzte. "Wir hatten zwar damals bereits viele Inder bei uns, sie wollten aber nicht in ihrer Heimat arbeiten", sagt Shrader. So waren es vor allem Deutsche, die sich dort mühten, letztlich erfolglos. Das Büro wurde im Jahr 2000 geschlossen.

"China tickt völlig anders - die Geschäfte sind viel strukturierter und besser organisiert. In China weiß man, worauf man sich einlässt", schwärmt Shrader.

Ein Schlüsselerlebnis für die Zurückgebliebenheit Indiens war für ihn eine große Simulation über die Folgen von HIV, die er mit der Regierung und internationalen Organisationen auf die Beine stellte. Es waren ungefähr 250 Top-Leute aus Indien dabei, Beamte und Unternehmer. "Mein Eindruck war, dass es sich um eine der wenigen Gelegenheiten handelte, bei denen Vertreter verschiedener Bereiche mal an einem Tisch saßen, um gemeinsam ein komplexes Problem zu diskutieren. Da existierte bislang überhaupt kein Dialog! Total anders als in China . . ."

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