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Wie lange noch?

Wann hat der Schrecken endlich ein Ende? Für die Technologiebörse Nasdaq geht es schon sieben Wochen in Folge nach unten. Das gab es das letzte Mal im Jahr 1980. Das Technologie-Barometer notiert auf dem niedrigsten Stand seit knapp zweieinhalb Jahren.



Der Verfall der New Yorker Börsen begann vor fast genau einem Jahr - im März 2000. Zunächst fielen die Internet-Aktien ins Bodenlose. Dann folgten bald die Telekommunikations-, Chip- und Computerpapiere. Schließlich sind es nun auch die Standardwerte der Old Economy, die unter Druck geraten.



Vor allem bei Fluggesellschaften häuften sich in der vergangenen Woche die schlechten Nachrichten. Hier gab es Gewinnwarnungen en masse. Delta, Northwest und United Airlines mussten ihre Ertragsprognosen senken. Doch zumindest eine brauchbare Nachricht gab es auf dem Sektor. American Airlines darf die bankrotte Fluggesellschaft TWA übernehmen. United Airlines wartet noch darauf, die Genehmigung für den US Airways-Kauf zu bekommen.



Oracle

, der zweitgrößte Softwarehersteller der Welt, hat vor kurzem die Wall Street mit einer Gewinnwarnung geschockt. Am Ende der vergangenen Woche veröffentlichte der Softwarekonzern seine Quartalszahlen. Es gab keine wirklich bösen Überraschungen mehr. Aber auch keine positiven. Die Aussichten für die nächsten Monate sind verhangen - aber da ergeht es Oracle nicht anders als dem Großteil aller anderen Unternehmen.



Compaq Computer, der weltgrößte PC-Produzent, ist ein Nachzügler in Sachen Gewinnwarnung. Nachdem die Konkurrenten schon ihre Ertragsprognosen gesenkt hatten, rückte nun auch Compaq mit den schlechten Nachrichten heraus.



Der Markt ist im Moment wahrscheinlich noch mehr von Psychologie beeinflusst als in den vergangenen Monaten. Nur wenige Anleger, insbesondere Privatinvestoren, gehen wirklich nur kühl berechnend an die Aktien. Deshalb schwankt die Stimmung auch von Handelstag zu Handelstag, manchmal sogar von Stunde zu Stunde. Einzelhandelsdaten, Arbeitslosenquote, Lagerbestände, Hoffnung auf Zinssenkungen, Erzeugerpreise und Verbrauchervertrauen, das sind die Themen, mit denen sich die Börsianer im Moment beschäftigen. Wenn sich die Notenbankmitglieder am kommenden Dienstag treffen, können die Entscheidungen im Prinzip nur enttäuschen. Der Ausschuss, der unter dem Vorsitz des Notenbankchefs Alan Greenspan über die Leitzinshöhe berät, hat schon jetzt schlechte Karten, was die Börsenreaktionen angeht. Einer Umfrage zu Folge gehen die meisten Devisenexperten von einer Zinssenkung in Höhe von 50 Basispunkten aus. Seit einigen Tagen macht sich aber noch größerer Optimismus breit. Demnach hoffen einige Investoren auf eine Zinsreduzierung in Höhe von 0,75 Prozentpunkten. Und auch 9 von 25 Devisenhändlern, die in direktem Kontakt mit der Notenbank stehen, prognostizieren eine Korrektur um 75 Basispunkte.



Doch diese Hoffnungen könnten eine böse Falle für die US-Börsen werden: Senkt Greenspan die Zinsen um 0,5 Prozentpunkte, werden die Märkte vielleicht mit Enttäuschung reagieren. Wird der Leitzins hingegen um 0,75 Prozentpunkte reduziert, könnte dies jedoch bereits in den Kursen enthalten sein. In beiden Fällen ist eine Erholung am Aktienmarkt nicht selbstverständlich.



Der Dow Jones-Index ist unter 10 000 Punkte gefallen. Und dies zum ersten Mal seit einem Jahr, von einer Ausnahme im Oktober einmal abgesehen. Der Dow Jones notiert bei 9 823 Zählern. Der Nasdaq Index ist nun bei 1 891 Punkten angelangt. Das war bei beiden Indizes ein Minus von knapp acht Prozent.

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