Wie schätzen Experten die Aktie ein?
Der Streitfall: MLP

Der Vorwurf nicht korrekter Bilanzierungspraktiken von MLP löste einen Kurssturz aus. Die Quartalsergebnisse fanden weniger Beachtung. Sollen Anleger jetzt zugreifen?

DÜSSELDORF. Thorsten Karbaum von WestLB Panmure empfiehlt die Aktie unverändert zum Kauf.

Ein negativer Einfluss auf die Kunden ist nicht auszuschließen...

Der Markt scheint an fundamentalen Daten derzeit kein Interesse zu haben. Das neun Monate alte Gerücht, dass die Bilanzierungspraktiken von MLP nicht korrekt seien, kommt immer wieder auf. Ich bleibe bei meiner Überzeugung, dass diese Vorwürfe haltlos sind. Ein wirkliches Problem kann jedoch aus der negativen Presse der vergangenen Tage entstehen. Obwohl die Gerüchte nach meiner Meinung falsch sind, können sie einen negativen Einfluss auf die Kundenbasis des Finanzdienstleisters bewirken. Somit ist der Schritt überfällig, den Geschäftsbericht durch einen weiteren unabhängigen Wirtschaftsprüfer testieren zu lassen.

...das erste Quartal brachte zweistelliges Wachstum...

Das Vorsteuerergebnis stieg wie erwartet um 31,7 Prozent auf 24,5 Millionen Euro, der Quartalsüberschuss um 32,7 Prozent auf 15 Millionen Euro. Die Gesamterlöse erhöhten sich nur um 20,7 Prozent auf 242,7 Millionen Euro. Während die Ergebnisse im Rahmen meiner Erwartungen lagen, hatte ich die Gesamterlöse auf 271,6 Millionen Euro geschätzt. Das liegt an einem veränderten Produktmix. Während MLP im vergangenen Jahr verstärkt Berufsunfähigkeitsversicherungen verkauft hatte, setzte das Unternehmen im ersten Quartal 2002 verstärkt Investmentfonds ab.

...Meine positive Einschätzung bleibt.

Deshalb bestätige ich meine Kaufempfehlung für MLP, deren Kursziel 104 Euro beträgt.




Dierk Schaffer von der WGZ-Bank empfiehlt, die Aktie zu reduzieren.

Ein Bündel von Maßnahmen belastet...

Der Verdacht einer kreativen Gestaltung der Bilanz bleibt. Es besteht weiterhin die Gefahr, dass Investoren die geplante Kapitalerhöhung als Verwässerung der Gewinne ansehen. Ein weiterer negativer Effekt ist die Reduzierung des Streubesitzes, da die Großaktionäre die neuen Aktien erhalten. Da im Juni die Gewichtung der Aktien im Dax auf Streubesitz umgestellt wird, müssen dann Fondsmanager, die sich am Index orientieren, MLP im Portfolio reduzieren.

....die Erlöse enttäuschten...

Der Gewinn nach Steuern stieg wie erwartet um 32 Prozent auf 11,3 Millionen Euro. Das Ergebnis nach DVFA-Rechenmethode kletterte um 26 Prozent. Der Gewinnbeitrag der Tochtergesellschaften zum Gesamtkonzern stieg von 18 Prozent auf 31 Prozent. Bei MLP werden aber noch weitere Bereinigungen für die Ermittlung des DVFA-Ergebnisses vorgenommen. Dazu zählen etwa Startup-Kosten sowie Abführungen von Gewinnen oder Verlusten. Deutlich unter meinen Prognosen liegt die Zunahme der Gesamterlöse: MLP erreichte statt der erwarteten 30 nur 21 Prozent.

...der Vorstand muss etwas tun.

MLP wird im Laufe des Jahres den Beweis antreten müssen, dass man die gesteckten Ziele erreichen kann. Doch es müssen der Ankündigung, die Kommunikation zu verbessern und die Transparenz zu erhöhen, Taten folgen. Das ist für die MLP-Performance mittelfristig ebenso wichtig wie ein starkes Wachstum, aus dem sich die immer noch hohe Bewertung ableitet.

Meine Empfehlung lautet unverändert: Reduzieren.

Quelle: Wirtschaftswoche

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