Wie Science Fiction
Airport-Messe: Flughafensicherheit gefragt wie nie

Am Münchener Flughafen herrscht nach den ersten Vergeltungsangriffen der amerikanischen und britischen Streitkräfte gegen die Taliban in Afghanistan höchste Sicherheitsstufe.

mwb MÜNCHEN. Seit Montag werden auch Flüge nach Großbritannien genauso streng kontrolliert wie in die USA. Seit dem 11. September werden alle Gepäckstücke geöffnet und jeder Passagier abgetastet. Das Personal hat schon Nagelscheren und Taschenmesser zu hunderten konfisziert, wie ein Flughafensprecher berichtet. Polizei und Bundesgrenzschutz zeigen erhöhte Präsenz. In dieser gespannten Situation findet auf dem Flughafen mit der Inter Airport Europe die wichtigste Fachmesse für Flughafentechnologie und Dienstleistungen statt. Erwartet werden 500 Aussteller aus 24 Ländern, die ihre neueste Technologie vorführen - Technologie, die Flughäfen und das Fliegen sicherer machen sollen.

100 %-ige Durchleuchtung aller Gepäckstücke

Die zum Rheinmetall-Konzern gehörende Heimann-Systems stellt dabei ihre vollautomatische Röntgen-Systeme für Check-in-Gepäck vor, die eine 100 %-ige Durchleuchtung aller Gepäckstücke ermöglicht. Das System wird bereits am Münchener Flughafen installiert und ermöglicht eine lückenlose, vollautomatische Durchleuchtung. Bislang wird an Flughäfen teilweise nur stichprobenweise kontrolliert.

"Unser Auftragseingang hat deutlich angezogen", sagt ein Konzernsprecher. Aber das Unternehmen mit einer respektablen Umsatzrendite von über 10 % hatte bereits im ersten Halbjahr beim Auftragseingang um knapp 20 % zugelegt. Im vergangenen Jahr erreichte Heimann einen Umsatz von 114 Mill. Euro.

Biometrische Gesichtserkennung

Einiges klingt allerdings noch wie Science Fiction. Die Bundesdruckerei stellt ein System zur biometrischen Gesichtserkennung vor. Dabei werden Gesichter vorher eingescannt und dann bei Durchgängen mit Kameras kontrolliert und verglichen. Das System ist aber in erster Linie nicht für Passagierkontrolle, sondern zur Zugangskontrolle in nicht öffentliche Bereiche eines Flughafens gedacht. "Aus Gründen des Datenschutzes in Deutschland werden wir unsere Systeme in erster Linie im Ausland anbieten", sagt die Sprecherin. In Indien werden bereits über eine Million Führerscheine durch Vergleich der Fingerabdrücke kontrolliert. Das wäre in Deutschland nicht möglich.

Eine neue Software zur Überwachung und Steuerung der gesamten Geräte auf dem Flughafen-Vorfeld hat die junge Firma Proveo AG entwickelt. Proveo arbeitet dabei mit der Lufthansa-Beratungssparte Leos zusammen. Durch die neue Plattform sollen nicht nur Personal-, Material- und Treibstoffkosten deutlich gesenkt werden. "Die Plattform ermöglicht auch neue Sicherheitseinsätze", sagt Geschäftsführer Steffen Knödler. Durch die Vernetzung können im Notfall Fahrzeuge gestoppt werden. Große Flughäfen hätten bereits Interesse gezeigt.

"Der Luftverkehr hat nach Krisen schnell erholt"

Jährlich wächst die breit gefächerte Branche mit 5 bis 8 %, parallel zum Flugverkehr, schätzt der Präsident des deutschen Branchenverbandes Gate (German Technology & Equipment) Dieter Heinz. Die Nachfrage nach Sicherheitstechnologie werde wohl zunehmen, aber das sei ja nur ein Teil der weit verzweigten Branche. Die von Spezialfahrzeugen auf dem Rollfeld, Transportsystemen und bis zu Logistik-Software. Der Luftverkehr habe sich bei Krisen wie etwa dem Golfkrieg sehr schnell wieder erholt, hofft der Verbandspräsident. Bislang habe es bei den Firmen noch keine Stornierungen gegeben.

Die langfristigen Ausbaupläne auch des Münchener Flughafens seien von der derzeitigen Krise nicht betroffen, versichert ein Sprecher des Airports. Derzeit baut die Lufthansa mit der Flughafengesellschaft einen neuen Terminal. "Wir haben keinerlei Anzeichen, dass sich der Bau verzögern wird", sagte der Flughafensprecher. Auch in der Bilanz des wachstumsstärksten deutschen Airports hat die Terrorbekämpfung bereits ihre Spuren hinterlassen. Im September sank das Passagieraufkommen um 3,6 %. Seit dem 11. September wurden 70 Flüge nach Nordamerika gestrichen, die Passagierzahl verringerte sich um 25 %. Insgesamt hat das Passagieraufkommen in den ersten neun Monaten noch um 6 % auf 18,5 Millionen Passagiere zugenommen. Die angepeilte Rekordzahl von 25 Millionen Fluggästen wird aber wohl nicht mehr erreicht, wie der Flughafensprecher unterstrich.

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