Wie sich Aktienfondsmanager mit Value- und Growth-Ansatz schlagen
Keppler schwärmt von deutschen Aktien

Qualität günstig einkaufen, dieses Ziel verfolgt ein Deutscher in New York. Vor allem in seinem Heimatland wird der Aktienprofi fündig. Die Titelauswahl nach dem Value-Prinzip hat er trotz langer Leidensphase in den vergangenen Jahren nicht aufgegeben. Das macht sich bezahlt.

FRANKFURT/M. "Nur dreimal in den letzten 30 Jahren waren deutsche Aktien so billig wie heute", ist Michael Keppler begeistert. Der Anlageexperte ergänzt: "Das sind Schnäppchen wie beim Ausverkauf, allerdings kaufen wir nur Markenware." Keppler ist schon länger in guter Stimmung, denn der von ihm betreute internationale Aktienfonds mit dem komplizierten Namen Global Advantage Funds - Major Markets High Value Teilfonds feiert bereits seit Frühjahr letzten Jahres ein Comeback.

Keppler verfolgt die internationalen Aktienmärkte von New York aus, ist Chef der Anlageberatungsgesellschaft Keppler Asset Management. Die Firma betreut institutionelle Anleger und berät darüber hinaus eine ganze Reihe von deutschen Publikumsfonds. Das Gesamtvolumen beläuft sich seinen Angaben zufolge auf über 250 Mill. $. Zu den betreuten Publikumsfonds zählt neben dem genannten Produkt ein Pendant für die Schwellenbörsen, der Global Advantage Funds - Emerging Markets High Value Teilfonds.

Der gebürtige Deutsche ist überzeugter Anhänger des Value-Ansatzes, stellt demnach bei der Aktienauswahl traditionelle Bewertungskennziffern in den Vordergrund. Das ist auch der Grund für sein Comeback. Nachdem die typischen Wachstumstitel mit hohen Bewertungen vor eineinhalb Jahren zu kollabieren begannen, besinnen sich die Anleger auf alte Value-Tugenden. "Wir hätten den Internationalen Aktienindex sogar schon lange überrundet, wenn uns nicht der Dollar einene Strich durch die Rechnung gemacht hätte", meint Keppler. Er hat nur einen kleinen Teil der Fondsgelder in US-Aktien angelegt, denn die Wall Street hielt er schon lange für überbewertet. Im internationalen Aktienindex dagegen sind US-Papiere stark berücksichtigt. Der in Euro denkende Anteilbesitzer des Keppler-Fonds litt daher unter der starken Dollaraufwertung seit Mitte der neunziger Jahre.

Der 51jährige hat die Fondsgelder vor allem auf die sechs Länder Deutschland, Hongkong, Österreich, Belgien, Norwegen und USA verteilt. "Deutschland ist mit einer Unterbewertung von 25 % gegenüber dem internationalen Aktiendex unser Favorit", meint er. Die US-Gelder steckten fast ausschließlich in der Berkshire-Hathaway-Aktie. Hier erweist Keppler dem bekanntesten lebenden Value-Investor die Ehre: Warren Buffett, Chef dieser Beteiligungsgesellschaft.

Keppler tut sich mit seinem Deutschland-Optimismus leicht: "Es gibt neben der günstigen Bewertung zwei wesentliche Argumente für die kommenden Kurssteigerungen, und bei beiden haben wir eine große Prognosesicherheit." Er pocht zum einen auf die noch geringen Geldanlagen in Aktien und Aktienfonds. "Das muss sich einfach ändern", ist er überzeugt. Die Baby-Boomer würden jetzt anfangen zu sparen: "Vor allem in Aktien und Aktienprodukten - für die Altersvorsorge". Zum anderen setzt Keppler auf die Erbengeneration: "Auch ein 70jähriger wird heute eine hohe Aktienquote in seinem Vermögen haben wollen, weil er an das Erbe für seine Enkel denkt." Keppler wagt mit Blick auf die erwartete stärkere Aktiennachfrage noch eine weitere Prognose: "Deutsche Aktien werden in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren relativ hoch bewertet sein." Angesichts der Fülle an Kaufargumenten für Aktien hält er auch den Ausverkauf an der Börse vor einigen Wochen "für unvernünftig".

Bei seinen Analysen vertraut Keppler ausschließlich auf Unternehmensdaten: "Gesamtwirtschaftliche Zahlen oder auch Prognosen interessieren uns nicht." Unternehmensdaten hätten noch einen anderen Vorteil. "Sie werden nicht so häufig revidiert und sind deshalb zuverlässiger", erklärt Keppler. Er ergänzt: "Wir kaufen nur Aktien von Firmen, die sich in der Vergangenheit bewährt haben." In der Bewertungsanalyse konzentriert er sich auf Relationen wie Kurs/Gewinn, Kurs/Buchwert, Kurs/Cash-flow und Dividendenrendite.

Keppler kam auf einem Umweg zum Börsengeschäft. Als Musikstudent sammelte er in diesem Metier seine ersten und ganz persönlichen Erfahrung. "Ich habe ein bisschen spekuliert und gewonnen; das ging lange gut", erinnert er sich. Dann wechselte er Ort und Fach. In Regensburg studierte er Betriebswirtschaft: "Dort versuchten wir es auch in einer Gruppe mit Warentermingeschäften; einmal waren Kartoffeln long - das war ein ziemlicher Reinfall." Anfang der achtziger Jahre ging er zur Commerzbank, schnupperte dann auch bei amerikanischen Investmentbanken Börsenluft. Seit Ende 1992 ist er sein eigener Chef.

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