Wie sich deutsche Unternehmen absichern
Schutz gegen den starken Euro

Der starke Euro kann den deutschen Großkonzernen zumindest kurzfristig nicht viel anhaben, auch wenn sie einen erheblichen Teil ihrer Geschäfte in Nordamerika abschließen. Die meisten exportorientierten Firmen wie etwa die Autohersteller haben sich gegen Wechselkursschwankungen langfristig abgesichert.

Reuters FRANKFURT. Ein starker Euro beziehungsweise schwacher Dollar verteuert europäische Produkte im außereuropäischen Ausland und kann somit die Verkäufe und Umsätze der Exporteure schmälern. Im Umkehrschluss können einige der hiesigen Konzerne aber auch von den jüngsten Kurszuwächsen der europäischen Gemeinschaftswährung profitieren, da Rohstoffe wie Öl billiger werden.

Die Unternehmen sichern sich über verschiedene Wege ab, wählen in der Regel aber den Gang über den Terminmarkt. Dort schließen sie auf die Zukunft gerichtete Verträge wie Optionen oder so genannte Forward-Kontrakte ab, zu denen sie ihre im Ausland erlösten Dollarbeträge an einem bestimmten Zeitpunkt zu einem vorher fixierten Kurs umtauschen.

Am Montag hatte der Euro erstmals seit rund zweieinhalb Jahren wieder die Parität - also das Eins-zu-Eins-Verhältnis - zum Dollar erreicht. Am Dienstag stieg er weiter auf rund 1,01 Dollar. Volkswirte hatten jüngst in einer Reuters-Umfrage geschätzt, die europäischen Produzenten würden bis zu einem Kurs von 1,05 Dollar Währungseffekte kaum spüren.

Die im Exportgeschäft erfahrenen deutschen Autohersteller hatten seit längerem einen Kursanstieg des Euro erwartet und daher etwaige Währungsrisiken durch entsprechendes Wechselkursmanagement ("Hedging") abgesichert. So legen die Konzerne ihre Fahrzeugpreise in der Regel für ein Modelljahr fest, weshalb der Absatz kurzfristig nicht in Mitleidenschaft gezogen wird.

So erwartet die BMW AG, die mehr als 30 Prozent ihrer Umsätze in den USA erzielt, keine negativen Auswirkungen des schwächeren Dollars auf die Ertragslage. "Wir sind für dieses und auch für das nächste Jahr deutlich über Paritätskurs abgesichert, so dass wir von den jüngsten Veränderungen des Wechselkurses nicht betroffen sind", sagte ein Sprecher. Dabei lege BMW traditionell Wert darauf, das operative Geschäft weitgehend unabhängig von Wechselkursen zu gestalten und nicht auf Spekulationsgewinne zu "schielen", erläuterte der Sprecher. "Von einem hohen Dollarkurs profitieren wir nicht sehr stark, sind gegen einen schwachen Dollar aber auch abgesichert."

Auch Porsche betreibt nach eigener Darstellung eine "sehr intensive" Hedging-Politik. "Wir sichern unsere erwarteten Verkäufe zu 100 Prozent ab und das über mehr als zwei Jahre", sagte ein Sprecher des Sportwagenherstellers. Das Hedging etwa über Termingeschäfte oder Optionen koste zwar, bringe dem Unternehmen - dass mehr als 40 Prozent seiner Wagen in Nordamerika verkauft - aber "finanzielle Planbarkeit".

Ganz lassen sich die Firmen bei ihren Hedging-Operationen jedoch nicht in die Karten gucken. Bei DaimlerChrysler etwa waren keine Einzelheiten zum Euro-Hedging zu erfahren. Ein Sprecher sagte aber, sein Haus habe eine "sehr konservative Hedging-Politik" zu Grunde gelegt. "Wir hatten schon erwartet, dass der Euro stärker wird und sind durch die aktuelle Entwicklung nicht überrascht."

Auch bei MAN hieß es lediglich: "Wir sind gegen Währungsschwankungen abgesichert, so dass es kurzfristig keine Auswirkungen gibt."

Einige deutsche Konzerne haben bereits auf Grund der internationalen Aufstellung ihrer Produktion nicht so große Probleme mit einem steigenden Euro. So etwa der Hannoveraner Reifenhersteller Continental oder der Wiesbadener Industriegase- und Gabelstaplerkonzern Linde. "Das, was Linde in den USA produziert, wird dort auch abgesetzt", sagte ein Sprecher zum Gasgeschäft.

Der Sportartikelhersteller Adidas-Salomon kann von einem schwachen Dollar profitieren, da er seine Materialien meist in Dollar einkauft und einen Großteil der Produkte in Asien produziert, wo ebenfalls in Dollar abgerechnet wird. Aber auch der Konzern hat sich nach eigenen Angaben bis Mitte 2003 gegen Wechselkursschwankungen abgesichert. Ab dann rechnet Finanzchef Robin Stalker mit positiven Effekten: "Wir hoffen, dass wir einer der Profiteure der Stärke des Euro sein werden", hatte Stalker auf einer Investorenkonferenz im Juni gesagt.

Ähnliches ist bei Europas größten Chemiekonzern BASF zu hören: "Über 90 Prozent dessen, was wir in den USA verkaufen ist auch in den USA produziert", hieß es. Ein schwacher Dollar bleibt aber ein zweischneidiges Schwert: "Die Exporte werden negativ beeinflusst durch einen starken Euro, weil sie im Vergleich mit Exporten aus dem Dollar-Raum teurer sind", hieß es. Auf der anderen Seite gebe es viele Rohstoffe mit Preisen in Dollar. Einige Firmen können da deutlicher profitieren: So kann die Lufthansa etwa künftig günstiger Treibstoff und Flugzeuge einkaufen.

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