Wie Ungarn die neue EU-Außengrenze kontrolliert
Der Infrarotblick über die Grenze

Das Auto ist neu. Der Computer ist neu. Und die Infrarotkamera auf dem Dach des VW-Transporters sowieso. Ihr Blick geht, von Major Katus gelenkt, auf die andere Seite der Grenze. Auch bei tiefster Dunkelheit registriere das Gerät jede Bewegung von Personen oder Fahrzeugen auf eine Distanz bis zu zwei Kilometern, erklärt der Offizier bei der Grenzschutzwache im südungarischen Kelebia. Hier, nahe der Grenze zu Serbien, verläuft eine der Routen, über die Schlepper Flüchtlinge vom Balkan oder aus Afghanistan und dem Irak nach Westeuropa schleusen.

KISKUNHALAS. "Zurzeit ist es eher ruhig", sagt Katus, "aber alle politischen Krisen auf dem Balkan spüren wir sofort auch hier an der Grenze" - wie zuletzt die Auseinandersetzungen zwischen Serben und Albanern im Kosovo.

Mit Hilfe der Europäischen Union und insbesondere Deutschlands hat der ungarische Grenzschutz in den letzten Jahren massiv aufgerüstet. Zwölf Millionen Euro flossen aus dem Weste. Zur Standardausrüstung gehören heute Radargeräte und Bewegungssensoren, Dokumentenprüfgeräte und Mobilfunksysteme, Schnellboote und mobile Einsatzzentralen, sogar Kohlendioxid-Messgeräte, die ausgeatmete Luft von Flüchtlingen registrieren, die sich hinter LKW-Ladungen verstecken. Seine Behörde werde bald auf Weltniveau arbeiten, meint der Chef des Grenzschutzes, Brigadegeneral Jozsef Bendek, stolz.

Ab 1. Mai 2004 muss Ungarn mit knapp 1 200 Kilometern den längsten Abschnitt der künftigen EU-Außengrenze kontrollieren. Es gibt keinen Zaun, nur Grenzsteine im Abstand zwischen zehn und fünfzig Metern sowie teilweise Gräben, die das Schmuggeln von Autos erschweren sollen. Jenseits dieser Grenze liegen Länder wie Serbien und die Ukraine, die politisch und wirtschaftlich kaum gefestigt sind, sowie die EU-Bewerber Rumänien und Kroatien.

Glaubt man den offiziellen Statistiken, dann ist die Zahl der vom ungarischen Grenzschutz aufgegriffenen illegalen Grenzgänger von 8 311 im Jahr 2002 auf 4 086 im vergangenen Jahr zurückgegangen. Westliche Diplomaten in Budapest schätzen, dass die Zahl derjenigen, die nicht erwischt wurden, mindestens ebenso groß ist. Die Aufgegriffenen kamen vor allem aus dem Irak, Afghanistan und Nordafrika, auch aus Serbien, Moldawien und Rumänien. Major Katus führt die sinkenden Zahlen von Aufgegriffenen vor allem darauf zurück, dass die Schlepper gegenwärtig Routen über Mazedonien und Kroatien oder über Italien bevorzugen.

Seite 1:

Der Infrarotblick über die Grenze

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%