Wie wird man eigentlich WM-Schiedsrichter, Herr Merk?
Morgens Zahnarzt, abends Schiedsrichter

Dr. Markus Merk, 40, ist Zahnarzt in Kaiserslautern und pfeift als einziger Deutscher bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea.

Ich bin in Kaiserslautern geboren, da liegt einem der Fußball im Blut. Mit fünf bekam ich meine ersten Fußball-Schuhe, Modell "Uns Uwe" mit Stahlkappen, und bin jedem Ball hinterhergerannt. Mittags habe ich gekickt, am Wochenende war ich beim FCK im Stadion. Schon damals haben mich nicht die Spieler am meisten fasziniert, sondern die Schiedsrichter.

Mit zwölf habe ich die Schiedsrichterprüfung abgelegt und die ersten Jugendspiele gepfiffen, später Erste Mannschaften. Was dann kam, nennt man bei uns die Ochsentour: Bezirksliga, Landesliga, Verbandsliga und so weiter. Wer in eine höhere Klasse will, muss sich jedes Jahr beurteilen lassen. Ein Beobachter-Team entscheidet dann, wer auf- und wer absteigt. Ich habe es geschafft, fast im Jahresrhythmus die Klassen zu durchlaufen. Mit 26 war ich in der Bundesliga. Was mir zugute kam: Der Fußball ist in den letzten 15 Jahren viel schneller geworden, zweikampfbetonter, dynamischer. Damit wurde körperliche Fitness zu einem wichtigen Kriterium. Und ich trainiere gern: Triathlon, Skilanglauf, Marathon.

Schiedsrichter müssen gute Psychologen sein: Um mich herum sind 22 Charaktere; ich muss sie durchschauen und von allen der Abgeklärteste sein. Zuschauer sehen das nicht, aber ich treffe alle zwei bis drei Sekunden eine Entscheidung: Lasse ich das Spiel weiterlaufen? Pfeife ich ab? Und ich kommuniziere ununterbrochen mit den Spielern. Der eine versteht nur eine harte Sprache, dem anderen sage ich besser "Das hast du doch gar nicht nötig". Der fühlt sich dann geschmeichelt und besinnt sich.



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Eine Grundeigenschaft muss sein, dass man persönliche Sympathien und die Situation auf dem Platz nicht vermischt. Natürlich schätze ich manche Vereine und Spieler mehr als andere - klar. Aber wenn ich pfeife, behandele ich jeden gleich. Bei der WM darf aus jedem Land nur ein Schiedsrichter pfeifen. Wer das ist, entscheidet der Weltfußballverband FIFA. Dass in diesem Jahr ich berufen wurde, freut mich natürlich sehr.

Im Erstberuf bin ich Zahnarzt: Wenn ich abends in Barcelona pfeife, muss ich trotzdem am nächsten Morgen in die Praxis - und bis abends sieben, acht Uhr arbeiten. Aber ich sehe mein Leben als Doppelpass: Der eine Beruf gibt mir die geistige Freiheit für den anderen.

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