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Wie wird unsere Rente künftig sicher, Herr Andresen?

Sicherheit ist in der Tat das vorrangige Qualitätskriterium für jedes Alterssicherungssystem. Wer während der Rentenreform-Debatte zu Zeiten des Börsenbooms an diese Binsenweisheit erinnerte, wurde meist nur müde belächelt. Mittlerweile hat der Niedergang der Aktienkurse zu einem schmerzlichen Wertverlust der Reserven der Altersversorgungseinrichtungen im In- und Ausland geführt.

Manches Unternehmen hat für seine betriebliche Altersvorsorge plötzlich beträchtlichen Nachfinanzierungsbedarf, auch wenn dieser nicht die aktuelle Zahlungsfähigkeit berührt.

All das sind nach realistischer Einschätzung keine Probleme, die Anlass geben, von dem in der deutschen Rentenpolitik mittlerweile eingeschlagenen Kurs ganz abzuweichen. Die aktuelle Krise hat sogar heilsame Wirkungen. Zum Beispiel zeigt sie, dass bei der kapitalgedeckten Vorsorge ein professionelleres, konservativeres Management der Anlagegelder notwendig ist. Hier gibt es gerade auch in Deutschland bei den betrieblichen Versorgungseinrichtungen noch viel Nachholbedarf. Vor allem aber unterstreicht die aktuelle Entwicklung, dass der naive, lange auch von der Weltbank gepflegte Glaube an den Kapitalmarkt fehlgeht: Dieser allein kann die Probleme der Alterssicherung nicht lösen. Wir brauchen unbedingt eine Alterssicherung, die auf mehreren Säulen steht.

Eine wichtige Säule muss zweifellos die nach dem Umlageverfahren finanzierte gesetzliche Rente bleiben - sie ist zumindest von Marktschwankungen kaum betroffen. Die Schwäche der Börsen bietet jedoch keinen Anlass, die Dimension der demographischen Probleme für die gesetzliche Rente zu verdrängen. Die Politik muss vielmehr noch dringender den Mut aufbringen und den Bürgern endlich sagen, dass mit großer Wahrscheinlichkeit sowohl die Rentenanwartschaften als auch die laufenden Renten in den nächsten 20 bis 30 Jahren geringere Zuwächse haben werden als prognostiziert.

Nur wer die künftige Entwicklung der gesetzlichen Rente und damit die anderweitig zu füllende Versorgungslücke korrekt einschätzt, kann für den kapitalgedeckten Teil der Vorsorge ein geeignetes Verhältnis von Sicherheit und Risiko wählen. Wer sich bei der Privatvorsorge für ein hohes Maß an Chance und Risiko entscheiden will, muss sich diesen Luxus auch leisten können.

In einer sehr komfortablen Situation in puncto Sicherheit sind die deutschen Betriebsrentner. Nun bewährt es sich doch, dass es nach deutschem Recht anders als in den USA und England bisher kein reines "Defined-contribution"-System gibt - also ein System, in dem der Arbeitgeber nur eine feste Beitragszahlung zusagt, das Kapitalmarktrisiko aber voll auf Arbeitnehmerseite liegt.

Alle deutschen Versorgungszusagen sind Leistungszusagen, für deren Erfüllung der Arbeitgeber einzustehen hat. Für den neuen Durchführungsweg der betrieblichen Altersversorgung, den Pensionsfonds, gilt wegen liberalerer Kapitalanlagemöglichkeiten eine besonders umfassende Insolvenzsicherung: Abgesehen von der staatlichen Aufsicht über die Fonds, sind die Ansprüche für den Insolvenzfall auch über den Pensionssicherungsverein abgesichert. Es scheint, als ob diese viel geschmähte Doppelsicherung - "Hosenträger und Gürtel" - doch eine weise Entscheidung des Gesetzgebers war. Die Folgen der Enron-Pleite in den USA zeigen überhaupt, dass der Schutz der Betriebsrenten, auch vor krimineller Energie, nur durch Vorgabe eines entsprechenden Rechtsrahmens zuverlässig gewährleistet werden kann.

Was die grundlegenden Bedingungen für die Betriebsrente in Deutschland anbelangt, hat sich mit der jüngsten Rentenreform vieles verbessert. Die betriebliche Altersversorgung war jahrelang eher auf dem Rückzug. Nun werden Rechtsanspruch auf Gehaltsumwandlung, Riester-Förderung und das Engagement der Tarifparteien dazu führen, dass die zweite Säule der Alterssicherung auch wirklich zu einem soliden Standbein wird.

Ich sage das nicht nur pro domo. Ich bin fest davon überzeugt, dass gerade die betriebliche Altersversorgung im Verhältnis zur gesetzlichen Rente und zur rein privaten Vorsorge einen hohen Stellenwert haben muss. Denn gerade die Unternehmen sind als Marktteilnehmer in der Lage, Renten durch optimale Gestaltung zu einem besonders günstigen Preis-Leistungs-Verhältnis bereitzustellen. Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht kann es nur von Vorteil sein, wenn die Altersversorgung der Beschäftigten auf einer ausgewogenen Mischung zwischen Kapitaldeckung und Umlageverfahren beruht.

Für die Unternehmen kommt hinzu, dass in Zukunft alle Beschäftigten die Qualität ihres Arbeitgebers stärker auch danach beurteilen werden, was dieser ihnen zusätzlich bietet. Das gilt gerade in Zeiten zunehmenden Fachkräftemangels, der ja trotz hoher Arbeitslosigkeit fortbesteht. Nachdem mit der Rentenreform die arbeitnehmerfinanzierte Versorgung gestärkt wurde, kommt es in diesem Punkt darauf an, stärkere Anreize für die ergänzende arbeitgeberfinanzierte Versorgung zu schaffen.

Aufgezeichnet von Dietrich Creutzburg

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