Wie Wissenschaftler in Lettland das erfolgreiche Unternehmen Elmi gründeten
„Wir werden auch die EU meistern“

Von außen macht es nicht viel her. Ein braun-gelber Plattenbau in einem Außenbezirk der lettischen Hauptstadt Riga. Kein Schild, nichts, was auf ein erfolgreiches lettisches Unternehmen schließen ließe. Der Plattenbau beherbergte früher einmal, als Lettland noch zur Sowjetunion gehörte, die Wissenschaftsakademie. Heute ist aus dem unansehnlichen Komplex ein Technologiezentrum geworden, ein Zentrum für kleine aufstrebende lettische Firmen.

RIGA. Eines der 32 Unternehmen, die hier untergekommen sind, ist Elmi. Die Firma produziert mit 30 Mitarbeitern medizintechnische Geräte, Mixer und Zentrifugen für Labore und Biotechnikunternehmen. "Wir exportieren mittlerweile in die ganze Welt", sagt Ivan Mironov, Mitgründer und Teilhaber eines der erfolgreichsten kleineren Unternehmen in Lettland. Elmi hat sich mit seinen in Eigenregie entwickelten Geräten einen Namen gemacht.

"Bei uns stimmt die Qualität und natürlich der Preis", sagt Mironow stolz. Die Arbeitskosten sind niedrig, der Durchschnittsbruttolohn in Lettland liegt derzeit bei etwa 300 Euro. Deshalb wundert es auch nicht, dass im Keller des Technologiezentrums die Elmi-Mitarbeiter so gut wie alle Komponenten der Geräte selbst produzieren. Outsourcing ist noch ein Fremdwort.

Stolz kann der 50-jährige sein: Vor drei Jahren erhielt sein Unternehmen den von der Bundesregierung für lettische Firmen gestifteten Förderpreis der deutschen Wirtschaft. Auf die kleine Urkunde ist Mironov immer noch stolz, war sie doch die Eintrittskarte für den wichtigen deutschen Markt: Heute gehen etwa 60 % des Exports in die Europäische Union, größtes einzelnes Abnehmerland ist Deutschland. "Eigentlich liefern wir aber in die ganze Welt, nur 0,5 Prozent unserer Produktion verkaufen wir hier in Lettland", betont Mironov, der wie ein Drittel der Gesamtbevölkerung russischer Herkunft ist.

Heute, zwölf Jahre nach der Loslösung der drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen von der damaligen Sowjetunion, hat Mironov genügend Distanz, um die Aufbauphase nüchtern beschreiben zu können. "Es war zu Beginn nicht einfach", sagt der Ingenieur und denkt an die Schwierigkeiten, direkt nach der Unabhängigkeit Lettlands mit Arbeitslosigkeit, Wirtschaftskrise und einer völlig neuen Ideologie umgehen zu müssen. "Wir mussten sehr schnell lernen, dass man im Westen viel effektiver arbeitete", erinnert sich Mironov. Er war als Wissenschaftler relativ gut versorgt, hatte einen sicheren Arbeitsplatz in der Wissenschaftsakademie, die auch für das sowjetische Militär arbeitete.

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