Wiebes Weitwinkel
Ackermanns langer Hebel

Die Deutsche Bank hat laut Quartalsbilanz eine Eigenkapitalquote von nur 1,8 Prozent. Allerdings rechnen Analysten im Moment gern anders herum. Sie schauen auf den „Hebel“, der besagt, wie viel mal größer die Bilanzsumme als das Eigenkapital ist. Dieser Hebel ist bei der Deutschen Bank verdammt lang.

Der Hebel liegt bei der Deutschen Bank bei 56. Zum Vergleich: Die Commerzbank kommt nur auf 38, UBS auf knapp 40, jeweils nach dem zuletzt veröffentlichten Quartalsbericht berechnet. BNP hat nur einen Hebel von 32, HSBC 19, Santander 15.

Josef Ackermann, der Chef der Deutschen Bank, weist die Analysten gerne darauf hin, dass nach amerikanischer Rechnungslegung der Hebel viel niedriger sei. Deswegen hat seine Bank eine Überleitungsrechnung von internationaler (IFRS) zu amerikanischer Bilanzierung (US-GAAP) veröffentlicht. Auf amerikanisch ist die Bilanzsumme um ein Drittel kürzer, vor allem, weil nach US-GAAP bei manchen Termingeschäften nur saldierte Positionen ausgewiesen werden. Außerdem ist nach US-GAAP das Eigenkapital um elf Prozent höher, weil die Amerikaner den Wertverlust ihrer Schulden dem Eigenkapital zubuchen; eine zweifelhafte Praxis, die durch die Bilanzierung nach „Marktwerten“ gerechtfertigt wird.

Amerikanisch gerechnet kommt die Deutsche Bank auf einen Hebel von nur noch 34. Allerdings ist auch das viel im Vergleich zu 28 für Morgan Stanley, 24 für Goldman Sachs und 16 für die Citigroup. Ackermann will nun den (amerikanischen) Hebel von 34 auf 30 senken, was einem Rückgang der Bilanzsumme um immerhin elf Prozent entspräche. Selbst damit läge er aber höher als andere US-Banken. Es bleibt also dabei: Die Deutsche Bank ist laut Bilanz relativ schwach kapitalisiert.

Nun redet Ackermann lieber von der „Tier-one-Quote“ als von der Bilanz. Die liegt bei auskömmlichen zehn Prozent. Bei dieser Kennzahl werden „sichere“ Anlagen nur mit einem Bruchteil ihres Bilanzwertes angesetzt. Allerdings hat die Finanzkrise gezeigt, dass vieles weniger sicher war als man dachte.

Wenn Ackermann kein Kapital aufnehmen will, bleibt ihm nichts anderes übrig, als auf ein baldiges Ende der Finanzkrise zu hoffen. Wenn die Branche wieder boomt, meckern die Analysten nämlich, wenn der Hebel zu kurz ist – weil das Rendite kostet.

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