Wiebes Weitwinkel
Alle kassieren kräftig mit

Die Finanzbranche wird immer komplexer. Eine Entwicklung, die zwei Seiten hat – vor allem aus Sicht der Anleger. Denn je komplizierter die Finanzwelt, desto mehr Leute wollen daran verdienen.

Ein Beispiel: Anleger können Aktien kaufen und ins Depot legen. Dann verdient die Bank daran, die Börsen, vielleicht noch ein Kursmakler. So läuft das Geschäft seit über 100 Jahren.

Aber es geht heute auch komplizierter. Etwa so: Der Anleger schließt eine Lebensversicherung ab. Die investiert einen Teil ihrer Anlagen in Beteiligungsfonds (Private Equity). Der Fonds wiederum – das scheint ja jetzt Mode zu werden – kauft Aktien eines Dax-Unternehmens. Vielleicht verkauft der Anleger seine Police noch an einen Aufkäufer, und der gibt sie weiter an einen Fonds, der in gebrauchte Lebensversicherungen investiert – und daran erst beteiligt sich der private Anleger. Die Liste der Unternehmen, die in diesem Fall an den Aktien verdienen wollen, ist ziemlich lang.

Ähnlich bei Anleihen. Natürlich kann der Anleger einfach das Zinspapier eines Unternehmens kaufen. Es geht aber auch anders: Die Bank vergibt einen Kredit, verbrieft ihn und lässt ihn in Tranchen mit verschiedenen Bonitäten strukturieren, ein Rentenfonds kauft einen Teil davon und wird selbst wiederum von einem Dachfonds eingespannt, in den der Anleger sein Geld investiert. Unterwegs spielt auch noch eine Ratingagentur mit und benotet die strukturierten Papiere. Auch hier gilt: Aus den Kreditzinsen müssen eine Menge Adressen bedient werden, bis etwas davon beim privaten Anleger ankommt.

Man darf keine vorschnellen Schlüsse ziehen. Zum Teil führt die Evolution der Finanzbranche einfach dazu, dass Funktionen, die bisher unter einem Dach vereinigt waren, sich auf mehrere Spezialisten verteilen, was die Effizienz steigert. Beispiel Kreditwürdigkeit: Je mehr öffentliche Ratings es gibt, desto weniger sind Banken und Investoren allein auf ihre eigene Einschätzung angewiesen.

Aber bei jeder Evolution gibt es auch Verlierer. Und so ist zu erwarten, dass der Trend zu immer mehr Spezialistentum nicht ungebrochen weiterläuft. Mehr und mehr werden neue Mitspieler beweisen müssen, dass ihre Dienstleistungen einen echten Mehrwert bieten.

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