Wiebes Weitwinkel
Allein im Büro?

Zwischen den Jahren ist im Büro meistens nicht viel los. Weit und breit ist kaum ein Kollege zu sehen, selbst der Chef befindet sich im wohlverdienten Urlaub. Machen wir also ein kleines Gedankenexperiment: Wie wäre es, wenn man immer mit so einer ausgedünnten Mannschaft arbeiten würde? Dabei lässt sich vieles über die interne Organisation lernen.

Hallo, sitzen Sie heute auch so ziemlich allein im Büro? Weit und breit kaum ein Kollege zu sehen. Das Telefon klingelt viel seltener als sonst. Schön ruhig eigentlich; man kann den Weihnachtsbraten verdauen und die Schokolade, die die Geschäftspartner geschickt haben, in Ruhe aufessen.

Klar, jetzt „zwischen den Jahren“ ist nicht viel los. Aber ist das der einzige Grund für die wohltuende Ruhe? Wenn weniger Kollegen da sind, funktionieren manche Sachen auch viel einfacher, oder? Man muss nicht alles mit jedem absprechen, sondern kann es einfach so machen, wie man es für richtig hält. Das wichtigste: Der Chef ist weg (der ist in den Alpen, obwohl da gar kein Schnee ist) – um so besser, dann stört der wenigstens nicht.

Ich habe vor vielen Jahren mal in einer Bank gearbeitet und hatte dort gleich eine ganze Hand voll Chefs. Als die einmal alle weg waren, haben die Leute bei mir angerufen, die sonst mit den Chefs telefonierten. Dabei hat sich herausgestellt, dass bei einem Unternehmen, an dem die Bank beteiligt war, schon längst die Hütte brannte. Ich hatte vorher immer nur die Papiere zu sehen bekommen – und da stand nichts Auffälliges drin. Ich habe dann eine Info an unseren Vorstand geschickt – und damit einiges in Bewegung gesetzt.

Diese Erfahrung haben Sie vielleicht auch schon gemacht: Vieles ist einfacher, wenn der Chef weg ist; manchmal erfährt man dann auch wichtige Dinge. Ich kannte mal den Betriebsratsvorsitzenden einer großen Autofabrik. Der sagte immer: „In der Spätschicht läuft das alles wunderbar. Aber am nächsten Morgen, wenn die ...löcher in die Büros kommen, dann bringen sie wieder alles durcheinander.“

Machen wir also ein kleines Gedankenexperiment: Wie wäre es, wenn man immer mit so einer ausgedünnten Mannschaft wie heute arbeiten würde? Klar – manches würde nicht funktionieren. Aber manches ginge auch viel reibungsloser, oder? Das Gedankenexperiment hilft einem aufzuspüren, wo der eigene Laden schlecht organisiert ist – vielleicht auch einfach überorganisiert.

Sorry, vielleicht arbeiten Sie ja auch in einer Abteilung, die gerade gegen Jahresende höllisch viel zu tun hat. Aber wenn es so sein sollte, dann haben Sie meine Betrachtungen wahrscheinlich ohnehin nicht bis hierher gelesen...

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