Wiebes Weitwinkel
Alles ganz innovativ

Wenn es um die Frage geht, wie stark Banken künftig beaufsichtigt werden sollten, dann bringt die Branche selbst gerne ein scheinbar unschlagbares Argument: Wenn ihr uns zu sehr auf die Finger schaut, dann können wir nicht mehr innovativ sein.

Das klingt plausibel. Unsere Wirtschaft lebt von Innovationen. Wer nichts Neues schafft, landet auf Dauer abgeschlagen im Nirwana des Kapitalismus.

Aber fragen wir einmal dagegen: Welche echten Innovationen hat die Finanzbranche denn hervorgebracht? Als „echt“ soll hier nur das gelten, was der Kunde tatsächlich spürt. Also nicht „innovative“ Formen, Risiken aus der Bilanz zu schaffen und weltweit zu verteilen. Oder „innovative“ Formen, außerhalb der Bilanz mit beinahe null Kapital zusätzliche Renditen zu erzeugen. Sondern neue Produkte, neue Formen des Service, innovative Beratung – Verbesserungen also, die dem Kunden tatsächlich nützen.

So ist das ja auch in anderen Branchen. Innovation bei Auto- oder Handyherstellern kann sicher auch bedeuten, die Geräte mit neuen Verfahren herzustellen. Aber im Kern geht es darum, dass der Kunde einen Vorteil hat – sei es, dass die Autos besser, oder dass sie billiger werden.

Legt man diesen Maßstab an, dann ist es mit den „echten“ Innovationen der Finanzbranche nicht so weit her. Es gibt sicherlich heute ein relativ ausgefeiltes „Financial Engineering“. So kann man Finanzierungen oder Anlagestrukturen bauen, die sich relativ genau an die Bedürfnisse der Kunden anpassen. Doch hat sich in der Finanzkrise gezeigt, dass diese Produkte dem Kunden auch zum Schaden gereichen können, dass viele sie nicht verstanden haben. Und hier liegt ein entscheidender Punkt: Ein Autofahrer muss nicht verstehen, wie das Auto funktioniert, um einen Vorteil von einem neu entwickelten Fahrwerk zu genießen. Ein Anleger muss aber wissen, wie seine Geldanlage funktioniert, wenn die Innovation tatsächlich ein Vorteil sein soll.

Sicher, es gab auch in diesem Sinne „echte“ Innovationen, wie etwa börsengehandelte Fonds, die simpel und kostengünstig sind, daher auch gerne von Profis genutzt werden. Aber genau diese Innovationen spielen im Marketing der Branche eine eher untergeordnete Rolle. Fazit also: Wenn Banker von Innovationen reden, sollte man nachhaken, was damit eigentlich gemeint ist.

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