Wiebes Weitwinkel
Auftakt für Ackermann

In dieser Woche startet die nächste Runde im Mannesmann-Prozess. Er ist jetzt schon in die Geschichte eingegangen. Er wird auch als Ackermann-Prozess in Erinnerung bleiben, denn der Chef der Deutschen Bank ist der bekannteste Darsteller in diesem Schauspiel.

Wer ist der gute Held in diesem Wirtschaftskrimi? Die Staatsanwälte, die Josef Ackermann und den anderen Angeklagten Untreue vorwerfen – vor allem wegen der gigantischen Abschiedszahlung für den damaligen Mannesmann-Chef Klaus Esser? Oder Ackermann, der gar nicht versteht, dass er einen Fehler gemacht haben soll?

Nüchtern betrachtet lassen sich beide Standpunkte gut verstehen. Da ist auf der einen Seite der Bundesgerichtshof (BGH), der den Staatsanwälten in die Hände spielt. Er hat sich – anders als die erste Instanz in Düsseldorf – bemerkenswert klar geäußert: Wenn Geldzahlungen nicht dem Unternehmen dienen, dann handelt es sich um Untreue. Für diese Argumentation des BGH spricht, dass sie völlig logisch ist. Außerdem entspricht sie dem weit verbreiteten Gefühl, dass der Selbstbedienungsmentalität mancher Manager Grenzen gesetzt werden müssen.

Auf der anderen Seite Ackermanns Sicht: Er hat sich selbst keinerlei Vorteil verschafft. Er hatte damals keine Ahnung, dass seine Zustimmung als Aufsichtsrat zum goldenen Handschlag für Esser strafwürdig sein könnte. Er hat zwar die Bodenhaftung verloren und zu leichtfertig das Geld anderer Leute (der Aktionäre) ausgegeben – schlimm genug. Dennoch: Dieser Mann hat nicht kriminell gehandelt.

Unerfreulich ist, dass jedes Urteil einen sehr faden Geschmack hinterlassen würde. Sprechen die Richter Ackermann frei, fragt sich die Öffentlichkeit, ob in Deutschland Topmanager doch keinen Spielregeln – die der BGH ja klar herausgearbeitet hat – unterliegen. Wird er verurteilt, dann sieht es so aus, als gehe es nur darum, mit aller Gewalt ein möglichst prominentes Exempel zu statuieren.

Wie könnte ein Happy End aussehen? Vielleicht als Einstellung des Verfahrens gegen eine hohe Geldbuße. Dann wäre klar: Hier hat einer einen Fehler gemacht, er bezahlt dafür, aber er ist kein Krimineller. Doch möglicherweise sind die Fronten längst viel zu verhärtet, um eine solche Lösung zu ermöglichen.

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