Wiebes Weitwinkel
Bänzigers Wir-Gefühl

Hugo Bänziger hat eine einfache Erklärung dafür, dass die Deutsche Bank die Krise bisher besser als die meisten direkten Konkurrenten gemeistert hat. „Wir kennen jeden Tag unsere Position“, sagte der „Risiko-Vorstand“ der Bank bei einem Vortrag in der Frankfurt School.

Hugo Bänziger hat eine einfache Erklärung dafür, dass die Deutsche Bank die Krise bisher besser als die meisten direkten Konkurrenten gemeistert hat. "Wir kennen jeden Tag unsere Position“, sagte der „Risiko-Vorstand“ der Bank bei einem Vortrag in der Frankfurt School. Vor zwei Jahren, verriet er in seinem schweizerisch gefärbtem Englisch, habe er gedacht, das sei bei allen großen Banken so. Inzwischen wissen wir alle, dass das leider nicht der Fall ist. Immerhin: Die Münchener Rück hat dasselbe Rezept und ist damit ebenfalls sehr gut gefahren.

So einfach kann die Welt sein: Man muss das Risiko kennen, wenn man es beherrschen will. Hinter dieser simplen Einsicht steckt freilich ein sehr anspruchsvolles System: Es ist ungeheuer kompliziert, bei einem großen Finanzkonzern wirklich alle Geschäfte so zu erfassen, dass sich die Risiken jederzeit zusammenrechnen lassen.

Bänziger hat bei Finanzaufsehern daher zu Recht einen guten Ruf – nicht nur in Deutschland, auch die Engländer und Amerikaner vertrauen „Hugo“. Macht ihn das in diesen risikoreichen Zeiten auch zu einem heißen Kandidaten für die Nachfolge seines Chefs Josef Ackermann?

Nun, es spricht einiges für ihn. Einmal kann er gut die Welt erklären, und das ist ja, gesellschaftlich besehen, eine Kernaufgabe für den Chef der Deutschen Bank. Der gelernte Historiker zieht mühelos Parallelen zu vergangenen Wirtschaftskrisen, spricht von einem „Sozialpakt“ zwischen Bankern und Bürgern, den es zu erneuern gelte. Virtuos schlüpft er mittels des Wörtchens „wir“ in die verschiedensten Rollen, spricht von „wir“ und meint seine Bank oder seine Branche, dann aber von „wir Steuerzahler“ oder „wir, die Gesellschaft“. Wer das „Wir-Gefühl“ beherrscht, hätte sicher eine gute Basis als Chefbanker der deutschen Nation.

Aber auch bei finanziellen Details schafft er es immer wieder, mit praktischen Beispielen auch dem Laien zu erklären, worum es geht. Ein großer Vorteil von Bänziger ist auch: Er wirkt nicht arrogant. Und das wiegt im Moment mehr als auf, dass er über kein großes Charisma verfügt.

Ein großes „Aber“ bleibt freilich: Meist kommen, Krise und Risikontrolle hin oder her, ganz an die Spitze doch eher die Leute, die Geld und Gewinne bringen. Und nicht die, die sie dabei beaufsichtigen.

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