Wiebes Weitwinkel
Banken gegen die Armut

Kleine Kredite helfen, die Armut zu bekämpfen. Das ist die Botschaft von Mohammed Junus, Friedensnobelpreisträger und Pionier auf dem Gebiet der Mikrokredite. Auch Banken sind unglaublich wichtig für die Entwicklung der Schwellenländer – sie haben größere Bedeutung als spektakuläre Treffen von Weltpolitikern.

In dieser Woche findet nicht nur der Weltgipfel in Heiligendamm statt, sondern auch der evangelische Kirchentag in Köln – Frau Merkel jettet schnell hinüber. Prominentester Gast in Köln ist aber Mohammed Junus, der Träger des Friedensnobelpreises und Pionier auf dem Gebiet der Mikrokredite. Dieser Mann wird in die Geschichtsbücher eingehen – bei den G-8-Größen ist das nur für Bush und Putin sicher, und für die beiden mit zweifelhaftem Beigeschmack.

Junus hat seine Botschaft in letzter Zeit häufig wiederholt: Kleine Kredite helfen, die Armut zu bekämpfen. Man kann das Thema aber durchaus erweitern und sagen: Banken, überhaupt ein funktionierendes Finanzsystem, sind unglaublich wichtig für die Entwicklung der Schwellenländer – sie haben viel mehr Bedeutung als spektakuläre Treffen von Weltpolitikern.

Banken sorgen dafür, dass Kapital im Land angelegt werden kann und dort produktiv wird. Wo die Reichen – und die gibt es ja auch in armen Ländern – dem einheimischen Finanzsystem nicht trauen, schaffen sie ihr Geld außer Landes. Es kehrt dann vielleicht als kurzfristiges Spekulationskapital an viel zu kleine und entsprechend instabile Börsen zurück – oder nicht einmal das. Banken sorgen auch dafür, dass sich ein Mittelstand zwischen Arm und Reich entwickeln kann. Und zwar Banken, die wirklich vor Ort sitzen. Man kann auch sagen: Banken helfen, dass aus feudalen, zum Teil postkolonialen Strukturen erst einmal ein funktionierender Kapitalismus entsteht, der breiten Wohlstand erzeugen kann.

Große, internationale Konzerne wie Citigroup, HSBC oder die spanischen Konzerne wie BBVA und SCH haben längst begriffen, dass das Bankgeschäft in Schwellenländern auch sehr gute Renditen abwirft. Beispiel HSBC: Die Briten können, wenn sie eine Bank in Lateinamerika übernehmen, sehr schnell ihren finanziellen Einsatz wieder einspielen. Würden sie in Deutschland zukaufen – etwa die Commerzbank – wäre der Weg viel länger.

Man darf natürlich kritisieren, dass Banken ausgerechnet in armen Ländern so gut verdienen. Aber die Antwort auf die Kritik kann nur lauten: Noch mehr Banken schaffen mehr Konkurrenz und bessere Konditionen für die Kunden. Das heißt nicht, dass für die Politik nichts zu tun bleibt. Sie muss Rahmenbedingungen schaffen – und das ist schwer genug.

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